Aktuelles 28. Juni 2018 · HO

"Kinderschutz heißt, das Recht des Kindes auf gewaltfreies Aufwachsen wirklich ernst zu nehmen"

Als Referentin für Kinderschutz kümmert sich Katrin Hentze (41) koordinierend und beratend um den Schutzauftrag des Trägers gegenüber den bei FRÖBEL betreuten Kindern. Seit Juni wird sie von Carmen Breitsch (57) in Nordrhein-Westfahlen unterstützt. Wir stellen das "Team Kinderschutz" im Interview vor.

Katrin Hentze und Carmen Breitsch, Referentinnen für Kinderschutz bei FRÖBEL

Frau Hentze, Sie sind nun seit über 2 Jahren Jahren Referentin für Kinderschutz bei FRÖBEL. Sie arbeiten überregional, sind also pädagogischen Fachkräften bei FRÖBEL schon gut bekannt. Was sollten wir über Sie wissen?

Katrin Hentze: Die Kinderrechte sind ein Thema, das meinen gesamten Ausbildungs- und Berufsweg prägt. Ich bin ausgebildete Sozialarbeiterin und Familientherapeutin. Schon im Jahr 2000 war ich aktiv für das Berliner Kinderschutzzentrum an der Kampagne zur Bekanntmachung der Aufnahme des Rechts auf gewaltfreie Erziehung in das Bürgerliche Gesetzbuch (§1631 Abs. 2 BGB) beteiligt. Anschließend habe ich fast zehn Jahre beim Berliner Kinderschutzbund gearbeitet. In den Jahren vor FRÖBEL war ich an der deutsch-schweizerischen internationalen Schule in Hongkong als Schulsozialarbeiterin tätig. In diesem internationalen Kontext wurde ich mit einem breiten Spektrum von Erziehungsvorstellungen konfrontiert, das Gewalt als Erziehungsmaßnahme mitunter als selbstverständlich akzeptiert. Hier habe ich besondere Erfahrungen damit gemacht, wie man mit Kindern auch über sehr kritische Themen sprechen kann und wieviel Positives mit einer wertschätzenden Haltung gegenüber Eltern erreichbar ist. Für mich ist das Recht auf gewaltfreies Aufwachsen der Kinder ebenso wichtig wie das Recht auf Bildung und soziale Sicherheit. FRÖBEL steht als Kitaträger für die Umsetzung dieser Rechte, sie sind u.a. im FRÖBEL-Leitbild dokumentiert, das jede pädagogische Fachkraft kennt. Deshalb fühle ich mich hier ganz richtig.

Frau Breitsch, Sie verstärken erst seit Juni das Team Kinderschutz bei FRÖBEL mit Schwerpunkt auf den Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen. Welchen Hintergrund haben Sie – und was führte Sie zu FRÖBEL?

Carmen Breitsch: Ich bin Diplom-Pädagogin, habe mich aber beständig weitergebildet, unter anderem zur Mediatorin und zum systemischen Coach. In meinem bisherigen Berufsleben habe ich die ganze Palette der Jugend- und Familienhilfe kennen gelernt und kenne mich auch rechtlich und in den Jugendamtsstrukturen sehr gut aus, das ist für meine beratende Tätigkeit sehr hilfreich. Mein verhältnismäßig später Jobwechsel kam für mich selbst etwas überraschend. Zuletzt habe ich sieben Jahre als Fachberaterin in der familiären Bereitschaftsbetreuung gearbeitet, wo ich mich sehr wohl gefühlt habe und bereits als insoweit erfahrene Kinderschutzfachkraft Ansprechpartnerin für das Team war.  Aber dann fiel mir die Stellenausschreibung von FRÖBEL in die Hand, und diese Aufgabe hat mich dann doch so sehr gereizt, dass ich mich bei FRÖBEL beworben habe.

Warum?

Carmen Breitsch: Bei meiner letzten Tätigkeit im Rahmen der Inobhutnahme habe ich  mit Fokus auf jüngere Kinder zwischen 0-6 Jahren gearbeitet und gesehen, wie wichtig es ist, Familien, die in Schwierigkeiten geraten, möglichst früh zu unterstützen. Frühe Hilfe wirkt im Idealfall präventiv und nachhaltig, so dass es hoffentlich gar nicht erst zu Verletzungen von Kindern kommt, die gravierende Folgen haben können. Im Gegensatz zur Schule ist die Kindertageseinrichtung aufgrund der Vertrauensbeziehung nah an den Eltern und Familien. Untersuchungen haben gezeigt, dass Erzieher*innen für Eltern die wichtigsten  Ansprechpartner*innen (nach den nächsten Angehörigen) sind, wenn Probleme in der Familie auftreten. Für die Kita als Institution bedeutet das eine große Chance, aber auch eine sehr große Verantwortung. Dieser Verantwortung kann eine Einrichtung oder ein Träger nicht allein gerecht werden, es braucht stabile unterstützende Netzwerke außerhalb der Einrichtungen. Ich bin erfahren darin, wirkungsvolle Netzwerke auf- und auszubauen und möchte die Einrichtungen auch dabei unterstützen. 

Bei FRÖBEL werden rund 14.500 Kinder betreut – entsprechend wird es viel Bedarf an Unterstützung beim Kinderschutz geben. Wie behalten Sie denn da den Überblick?

Katrin Hentze: In der Tat gibt es bei diesem Thema viel zu tun und es ist wichtig, einen besonnenen, unaufgeregten Blick zu behalten. Ich wünsche mir und arbeite dafür, dass der Kinderschutz von den pädagogischen Fachkräften so selbstverständlich im Alltag mitgedacht wird, wie z.B. Sprachförderung.  Das frühzeitige Wahrnehmen von möglichen Anzeichen auf Gefährdungen von Kindern ist Aufgabe und gesetzliche Pflicht jeder pädagogischen Fachkraft. Die Verantwortung, in solchen Situationen Rat und Hilfe hinzuziehen, liegt in jedem FRÖBEL-Haus dann bei der Leitung. Für diese Situationen haben wir bei FRÖBEL gut abgestimmte Abläufe und ein internes Netzwerk Kinderschutz.  Das Handeln im Kinderschutz ist eine komplexe Aufgabe für die Einrichtungsleitungen und das Team. Man muss oft über lange Zeiträume intensiven Kontakt zu Eltern, Kindern, Jugendamt oder weiteren Netzwerkpartnern halten. Nach zweieinhalb Jahren Erfahrungen bei FRÖBEL freue ich mich sagen zu können, dass wir gemeinsam in vielen Fällen erfolgreich helfen konnten, indem wir Eltern und Kindern durch unser „Hinschauen“ frühzeitig unterstützt haben.

Wie gewährleisten Sie den Wissenstransfer, bei rund 3.000 pädagogischen Fachkräften, die FRÖBEL mittlerweile beschäftigt?

Katrin Hentze: Wir setzen hier auf unterschiedlichen Ebenen an. Zum einen führen wir FRÖBEL-weit Fortbildungen zum gewaltfreien Aufwachsen und zur Stärkung von Kindern im Rahmen sexualpädagogischer Konzepte durch. Zum anderen bieten wir unseren Fachkräften bei herausfordernden Situationen ein zuverlässiges Beratungsnetzwerk an.
Und es gibt das bereits erwähnte Netzwerk Kinderschutz. In den regelmäßigen Treffen der FRÖBEL-Kinderschutz-AG wird ein Wissenstransfer aus allen Regionen in die Zentrale als auch anders herum sichergestellt und werden Veränderungsprozesse angestoßen. Aus der Kinderschutz-AG heraus entstand z.B. auch die Idee zu unserer laufenden internen Kampagne zum “Recht auf gewaltfreies Aufwachsen”.  Sie geht in diesem Jahr in die zweite Runde – nach der Reflexions- und Verständigungsphase innerhalb der Teams werden nun verstärkt die Eltern in das Thema mit einbezogen. Wir sind gespannt!

Sie haben schon viel gesehen, Frau Breitsch. Was schätzen Sie an FRÖBEL?

Carmen Breitsch: Bezogen auf kinderschutzrelevante Ereignisse existieren sehr schnelle, effektive Strukturen. So gibt es zum Beispiel ein niedrigschwelliges Online-Meldeverfahren und einen Kinderschutz-Ordner, der sehr praxisnah aufgebaut ist und ständig weiterentwickelt wird. Das habe ich so noch nicht gesehen. Und ich schätze schon jetzt das Engagement und den persönlichen Einsatz meiner Kolleginnen und Kollegen für das Wohlergehen der Kinder, das ich sowohl in den Einrichtungen als auch bis in die Hauptgeschäftsführung hinauf beobachten kann. Ich freue mich sehr auf die Zusammenarbeit. 

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