Aktuelles · Politik und Gesellschaft 12. März 2019 · HO

Praktikum bringt Politik in die Kita - und umgekehrt

Die Landtagsabgeordnete Heide Schinowsky verbrachte einen Tag im FRÖBEL-Kindergarten Kneipp-Piraten in Cottbus und gewann Einblicke in die Situation vor Ort

Heide Schinowsky, Landtagsabgeordnete in Brandenburg, beim Kita-Praktikum

Der Praktikumstag von Heide Schinowsky, Mitglied des Landtags Brandenburg, im FRÖBEL-Kindergarten Kneipp-Piraten in Cottbus fängt turbulent an. Schon morgens ist klar, dass von vier Erzieherinnen in der Krippe nur zwei da sein werden, um immerhin 21 Kinder im Alter von unter drei Jahren zu betreuen. Eine Kollegin ist im Urlaub, eine weitere krank - in der Personalbemessung wird dies nicht berücksichtigt. Kita-Leiterin Birgit Fabiunke organisiert Unterstützung. Da in den anderen Gruppen krankheitsbedingt ebenfalls das Personal knapp ist, verlässt die Praktikantin in Ausbildung ihre Gruppe, um die beiden Erzieherinnen in der Krippe zu unterstützen.  

Zusätzlich kann an diesem Tag „Praktikantin“ Heide Schinowsky eingebunden werden: Sie unterstützt die Kinder beim Frühstück, räumt und wischt die Tische ab und reinigt anschließend den Boden. Nach dem Frühstück werden die Bettdecken und Kopfkissen der Kinder frisch bezogen – als gelernte Pflegekraft ist dies für die Abgeordnete quasi eine Routinetätigkeit. Probleme gibt es bei der Zuordnung der Bettwäsche zum jeweiligen Kind, hier haben die beiden Erzieherinnen Anja Schneider und Marta Boettcher den Überblick. Wie sie auch Jacken, Hosen, Schuhe, Kuscheltiere und Schnuller allen 21 Kindern zuordnen können, das stellt sich im Laufe des Tages mehrfach heraus.  

Nach dem gemeinsamen Morgenkreis, bei dem die Kinder mit großer Freude das bekannte „A Ram Sam Sam“ singen und an diesem grauen Tag gemeinsam die Sonne rufen, gehen die Kinder mit Erzieherin Anja Schneider in den Garten. Bis das letzte Kind angezogen ist und das erste wieder hereinkommt, bleiben nur ein paar Minuten, um die übrigen Bettdecken zu beziehen und etwas aufzuräumen. Immerhin, die Sonne kommt tatsächlich heraus! Die Abgeordnete nutzt die Zeit im Garten, mit Praktikantin Pia Hatzfeld zu sprechen. Die Abiturientin muss an ihrer Fachschule zwar kein Schulgeld zahlen, wie noch häufig praktiziert, bekommt allerdings auch keine Ausbildungsvergütung, wie es in anderen Berufsfeldern längst üblich ist. Sie kann die Ausbildung nur mit privater Unterstützung absolvieren und muss sich finanziell sehr einschränken. Was motiviert, was begeistert sie am Erzieherberuf? Pia Hatzfeld: „Es ist das fachliche Interesse und die Motivation, Kinder in ihrer individuellen Entwicklung zu begleiten. Als ehemaliges FRÖBEL-Kind ist für mich klar, dass ich meine Praktika in FRÖBEL-Kindergärten absolviere und vielleicht auch später hier arbeite.“  

Nachdem alle Kinder wieder in den Räumen sind, gibt es Mittagessen, frisch gekocht in der hauseigenen Küche. Es gibt Reis mit Gemüse. Im Anschluss müssen erneut Tische, Stühle und Böden gereinigt werden – ohne die Unterstützung der Praktikantin und der Abgeordneten wäre dafür erst während der Mittagsruhe Zeit. Leiterin Birgit Fabiunke springt ebenfalls ein, um das Team beim Mittagessen mit den Kleinsten zu unterstützen – sie ist den ganzen Tag über regelmäßig in der Gruppe, um in den herausforderndsten Situationen mit zu helfen. Als Leiterin eines großen Hauses ist sie 22,5 Stunden für ihre Leitungstätigkeit freigestellt. Den Rest der Zeit ist sie regulär im Gruppendienst, in Notsituationen auch mehr. Die Teilzeitfreistellung ist das Maximum dessen, was in Brandenburg per Kindertagesstättengesetz möglich ist. Verantwortlich ist Fabiunke für bis zu 172 Kinder, fast ebenso viele Elternpaare, 30 pädagogische Fachkräfte, die Küchenkräfte und mehrere Praktikantinnen und Praktikanten. Das wäre schon in Vollzeit allein kaum zu bewältigen.  

Nach dem Mittagessen werden die Kinder für den Mittagsschlaf vorbereitet – Hände waschen, auf die Toilette gehen und/oder wickeln. Die meisten sind sichtlich müde. Auch für die Kinder ist ein Kitatag in einer so großen Gruppe – die Auslastung der Kitas wird vom Jugendamt vorgegeben – ziemlich anstrengend. Zufrieden wirken sie trotzdem. Trotz Unterbesetzung und vieler nicht-pädagogischer Aufgaben, die die Erzieherinnen und Erzieher bewältigen müssen, ist es Marta Boettcher und Anja Schneider gelungen, auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder einzugehen und jedem einzelnen Kind Aufmerksamkeit zu widmen – ob im Morgenkreis, beim Essen oder in Hygienesituationen.  

„Wir geben unser Bestes, um angesichts der schlechten Personalbemesseung in Brandenburg dennoch den Kindern spannende Bildungsangebote zu machen und sie individuell zu fördern. Wenn jedoch Kolleginnen ausfallen, bleiben wir hinter unserem Anspruch zurück. Auf Dauer ist das sehr frustrierend“, sagen die beiden Erzieherinnen am Ende des Tages. Das Fazit der Abgeordneten: "Es hat mir Spaß gemacht, aber ich sehe auch, wie anstrengend das ist, besonders, wenn Kolleginnen und Kollegen ausfallen." Sie verspricht, sich mit ihrer Partei für weitere Qualitätsverbesserungen einzusetzen.

Die Rahmenbedingungen für gute frühe Bildung sind in Brandenburger Kitas ist im Vergleich mit den anderen Bundesländern sehr schlecht. Das hat Auswirkungen auf die tägliche Arbeit in den Kitas, auf pädagogischen Fachkräfte und die Kinder. Wir kämpfen für bessere Bildungschancen der Brandenburger Kinder. Deshalb laden wir regelmäßig Landespolitiker*innen in unsere Einrichtungen ein, sich ein Bild vom Alltag in Kitas zu machen, wie er wirklich ist. 

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