Aktuelles 31. Juli 2017 · HO

So meistern wir die Eingewöhnung

Interview mit Maria Holling, die mit ihren Kolleg*innen in kurzer Zeit viele neue Kinder im neuen FRÖBEL-Kindergarten eingewöhnte

Maria Holling, Koordinatorin für Dienstplangestaltung im FRÖBEL-Kindergarten Industriestraße, Hamburg

Maria Holling ist Koordinatorin für Dienstplangestaltung im FRÖBEL-Kindergarten Industriestraße in Hamburg. Der Kindergarten wurde im Sommer 2016 eröffnet und begrüßte nun sein 100. Eingewöhnungskind. Anlässlich der bevorstehenden Eingewöhnungsphase in den FRÖBEL-Kindergärten berichtet uns Maria Holling von der spannenden und herausfordernden Zeit der Eingewöhnung. Interessant für pädagogische Fachkräfte, aber auch neue FRÖBEL-Eltern.  

Seit der Eröffnung des Kindergartens haben Sie und ihre Kolleginnen und Kollegen 100 Kinder eingewöhnt. Wie haben Sie die letzten Monate empfunden und bewältigt?

Für uns alle war die Neueröffnung eine große Herausforderung, die uns einige spannende, lustige, aber auch anstrengende Aufgaben und Situationen beschert hat. Wir konnten in unserem Aufbauprozess nicht auf bestehende Strukturen, Absprachen oder Regelungen zurückgreifen – wir haben bei "null" angefangen. Es ist jedoch schön zu sehen, wie das Haus und das Team gewachsen sind und wir bisher gemeinsam alle kleinen und großen Hürden gemeistert haben. Dass eine anstrengende und lange Eingewöhnungsphase vor uns liegt, war allen im Haus von Anfang an bewusst. Nach vielen Gesprächen und Planungen im Team, ausführlichen Reflexionen der bereits durchgeführten Eingewöhnungen und dem Ausprobieren verschiedener Ideen, haben wir dann ein für uns passendes Eingewöhnungskonzept entwickelt.

Nach welchem Eingewöhnungsmodell arbeiten Sie?

In der ersten Zeit haben wir uns sehr stark am Berliner Eingewöhnungsmodell orientiert, und alle neuen Kinder sind am Vormittag zur Eingewöhnung gekommen. Im Laufe der Zeit haben wir gemerkt, dass das Modell in dieser Form nicht richtig zu uns und in unseren Tagesablauf passt. Wir haben viele Ideen und Vorschläge gesammelt und im Team diskutiert, und das Modell so angepasst, das es sowohl den neuen Kindern und ihren Familien, als auch den bereits eingewöhnten Kindern gerecht wird. Da wir viele Kinder nur halbtags betreuen, haben wir am Nachmittag deutlich weniger Kinder im Haus. So können wir, der Bezugserzieherin bzw. dem Bezugserzieher zunächst eine individuelle Eingewöhnungssituation mit seinen Eingewöhnungskindern am Nachmittag ermöglichen, ohne dass bereits eingewöhnte Kinder dabei sind. So kann sich der Erzieher bzw. die Erzieherin ganz auf die neuen Kinder und die Eltern konzentrieren und einen intensiven Kontakt zu ihnen aufbauen. Dies ist dann auch mit jeweils zwei bis drei Eingewöhnungskindern pro Fachkraft gleichzeitig möglich. Sobald ein Eingewöhnungskind mindestens eine Stunde am Nachmittag ohne Elternteil bei uns bleiben kann und diese Trennung gut verläuft, wird die Eingewöhnung auf den Vormittag gelegt. Erst dann beginnt schrittweise die Heranführung an die Gesamtgruppe und das Kennenlernen des gesamten pädagogischen Alltages. Dabei achten wir besonders darauf, die Kinder nicht zu überfordern und die Betreuungszeiten am Vormittag nur langsam zu auszudehnen.

Hat sich ihr Eingewöhnungsmodell auch für die Kinder und ihre Familie bewährt?

Unser Modell ist sowohl für die neuen Kinder, die bereits eingewöhnten Kinder, für uns, aber auch für die Eltern sehr hilfreich. Viele Eltern haben uns zurückgemeldet, dass sie den engen Kontakt zu ihrer Bezugserzieherin bzw. zu ihrem Bezugserzieher als sehr angenehm empfunden haben. Gleichzeitig bauen die Eltern einen ersten Kontakt zu anderen Eltern auf. Es sind schon einige Freundschaften zwischen Eltern entstanden, die die Eingewöhnungszeit gemeinsam verbracht und sich gegenseitig unterstützt haben. Auch für die Kinder hat sich der Start in einer kleinen, geschützten Gruppe bewährt. Sie können so zunächst einen engen Kontakt zu ihrer Bezugserzieherin bzw. zu ihrem Bezugserzieher aufbauen und dann mit ihr oder ihm zusammen unsere große Einrichtung kennenlernen. Hinzu kommt, dass sie einen ersten, jedoch vorsichtigen Kontakt zu anderen Kinder aufbauen können. Auch unsere Bestandskinder profitieren von diesem Konzept. Wir können für alle Kinder einen strukturierten Tagesablauf gestalten und pädagogische Angebote und Projekte anbieten. 

Gab es denn auch Zweifel von Kolleginnen und Kollegen an diesem Modell? 

Alle Kollegen und Kolleginnen bei uns sind sehr experimentierfreudig und hatten von vornherein Lust, das neue Modell auszuprobieren. Wir mussten uns jedoch von Anfang an klar gegenüber unseren neuen Familien positionieren. Da wir unser Konzept jedoch pädagogisch begründen können und wir es zum Wohle der Kinder entwickelt haben, haben sich bisher alle Familien auf unser Modell eingelassen. Auch wenn damit manchmal ein kleiner organisatorischer Aufwand für die Familien verbunden ist, da sie ihre Nachmittage anders planen und einteilen müssen.

Haben Sie Tipps für ihre Kollegen und Kolleginnen, in anderen FRÖBEL-Einrichtungen, die viele Kinder in sehr kurzer Zeit eingewöhnen?

Viele Kinder einzugewöhnen kann sehr stressig und herausfordernd sein. Ein enger Zusammenhalt und offener Austausch im Team sowie feste, klare Absprachen, sind dabei sehr wichtig und hilfreich. Besonders unsere wöchentlichen Teambesprechungen waren für die Planung und Reflexion der Eingewöhnungen sehr hilfreich. Außerdem ist es wichtig, eine klare und konsequente Haltung dem Thema "Eingewöhnung" gegenüber zu haben. Alle müssen vollständig hinter dem Eingewöhnungskonzept stehen und diesen Ablauf auch ggf. vor kritischen Familien vertreten und pädagogisch begründen können. Für uns ist zudem die schriftliche Dokumentation des Eingewöhnungsverlaufs ein wichtiger Bestandteil des gesamten Prozesses. So fällt es der Bezugserzieherin bzw. dem Bezugserzieher leichter, die Eingewöhnung von vielen Kindern im Blick zu behalten und sie später zu reflektieren. Auch Kollegen und Kolleginnen können so die Eingewöhnung von einzelnen Kindern nachzuvollziehen und in einem Vertretungsfall weiterführen. Die neuen Praxismaterialien von FRÖBEL bieten dafür eine gute Möglichkeit. Sie sind eine Weiterentwicklung unserer bisherigen Unterlagen und verbinden einzelne Dokumente miteinander. Außerdem kann das Verständigungspapier, besonders für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hilfreich sein, da so der Ablauf und der Stellenwert der Eingewöhnung klar definiert sind. Besonders für neueröffnete Einrichtungen mit einem komplett neuem Team, kann das eine Grundlage für die Entwicklung eines eigenen Eingewöhnungsmodells sein.

Zur Homepage des FRÖBEL-Kindergartens Industriestraße: www.industriestrasse-hamburg.froebel.info 

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