25 Jahre FRÖBEL 05. Juni 2015

Studieren und Probieren

Simone Sende über den Spagat zwischen Studium und Berufstätigkeit

Seit 1986 arbeite ich im Kindergarten, viele Jahre als Erzieherin. Ein Studium zu absolvieren war ein großer Wunsch von mir, allerdings erlaubte es meine persönliche Situation nie, meine Berufstätigkeit für ein Studium aufzugeben. Daher bewarb ich mich vor 6 Jahren für den ersten berufsbegleitenden Studiengang „Erziehung und Bildung im Kindesalter“ an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Das Studium hat mir von Anfang an das gegeben, was ich mir gewünscht und erwartet hatte. Trotz langer Praxis, die ich auch mit diversen Fortbildungen begleitete, waren dennoch viele neue Erkenntnisse dabei. Schon im ersten Semester kamen wir zum „wissenschaftlichen Arbeiten“ und im dritten Semester zu den „Forschungsmethoden“. Diese Module waren ein sehr interessantes und spannendes Neuland für mich. In einem selbstgewählten Forschungsprojekt konnten wir unsere neuen Erkenntnisse und Fähigkeiten anwenden mit dem Ziel aufgestellte Thesen auch wissenschaftlich belegen zu können.

Ich habe meine Entscheidung zum Studium nie bereut, auch wenn, besonders zum Ende hin, das Schreiben der Hausarbeiten und der Bachelorarbeit neben der Berufstätigkeit, eine große Herausforderung an meine Zeit- und  Selbstorganisation war. Vor zwei Jahren habe ich das Studium abgeschlossen. Seit dem bin ich immer mal wieder an der ASH, mal in der Bibliothek, mal zu den offenen Abendvorlesungen oder zum Fachtag „Blick in“. Die Kontakte zu meinen damaligen Kommiliton*innen bestehen heute noch und sind jedes Mal ein wertvoller Erfahrungsaustausch und Motivationsschub für den eigenen Arbeitsalltag.

Nur wenige Wochen nach dem Abschluss meines Studiums ergab sich die Möglichkeit, die Leitung eines Kindergartens zu übernehmen. Die erworbenen theoretischen Grundlagen sollten sich nun in der Praxis beweisen.

Im Studium wurde das Leben und Arbeiten in einer Kindertageseinrichtung von allen Seiten betrachtet und untersucht. Als erstes selbstverständlich aus der Sicht der Kinder, aus der Sicht der Eltern mit ihren Wünschen und berechtigten Ansprüchen, aus der Sicht der Mitarbeiter, denen sich auf dem heutigen Arbeitsmarkt vielfältige Möglichkeiten bieten und die sich, gesellschaftlich und zeitgemäß, ständig weiterentwickeln wollen und auch sollen. Bei allen pädagogischen und menschlichen Idealen, denen man gerne gerecht werden würde, unterliegt auch unser Arbeitsbereich gesellschaftlichen und politischen Zwängen. Wie versteht, organisiert und leitet man so ein vielschichtiges System mit all den verschiedenen Ansprüchen und manchmal auch unterschiedlichen Interessen? Oft denke ich an die Worte von Prof. Brodowski, der uns die Empfehlung mit auf den Weg gab, den Blick für das eigentliche Tagesgeschäft nicht zu verlieren, bevor wir uns den zusätzlichen und außerordentlichen Aufgaben widmen können.

Simone Sende ist seit 1996 bei FRÖBEL und leitet den FRÖBEL-Kindergarten "mittendrin" in Berlin.

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