Aktuelles 18. Mai 2021 · (jmei)

„Wir wollen Schubladen aufmachen!“

Unsere Gesellschaft ist bunt und vielfältig – das bietet viele Chancen und Gestaltungsmöglichkeiten für die Zukunft. Der Deutsche Diversity Tag will für das Thema in Unternehmen und der Arbeitswelt mehr Aufmerksamkeit schaffen. Was Diversity für FRÖBEL als Arbeitgeber bedeutet, bespricht mit uns Jakob Fritz, Leiter Personalentwicklung.

Jakob Fritz leitet die Abteilung Personalentwicklung bei FRÖBEL.

Herr Fritz, FRÖBEL hat die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Was bedeutet das in der Praxis für das Unternehmen?

Mit der Unterschrift der Charta der Vielfalt haben wir dem Thema Diversität einen formalen Rahmen gegeben und wollen für das Thema noch bewusster sensibilisieren. Schlussendlich ist es nicht mit einer Unterschrift getan, sondern der Weg zu einer gelingenden Diversität ist eine Haltungsfrage, welche wir im gemeinschaftlichen Dialog bestreiten wollen.

Im FRÖBEL-Leitbild haben wir diese Haltung als Handlungsmaxime definiert; sie ist unser gemeinsamer Nenner in vielen Ebenen, beim Umgang mit Kindern, der Zusammenarbeit mit Familien und natürlich im Team mit Kolleginnen und Kollegen. Unter anderem steht dort, dass wir Vielfalt und Gemeinsamkeit leben und vorurteilsbewusst gestalten.

Das bedeutet zum einen in der pädagogischen Praxis eine konsequente Willkommenskultur, in der sich jede Familie gesehen und wertgeschätzt fühlt, zum Beispiel werden Feiertage aus verschiedenen Kulturkreisen thematisiert, Familien werden hier gern miteingebunden und stellen an diesen Tagen ihre Rituale und Bräuche vor. Durch ein großes Angebot an mehrsprachigen Kinderbüchern machen die Einrichtungen Sprachenvielfalt sichtbar. Auch beim Essen wird auf internationale und kulturelle Vielfalt gesetzt. Die Kinder lernen Speisen und andere Geschmacksrichtungen kennen, die über die eigenen Erfahrungen hinausgehen.

In der Personalentwicklung wollen wir einen ähnlichen Weg gehen. Wir haben viele Möglichkeiten und Instrumente aufgebaut, um die Vielfalt im Team zu entdecken und wertzuschätzen. Z. B. soll im ersten Schritt über das Talentmanagement, die Fach- und Führungskarrieren die Stärken und bestehenden Erfahrungen sichtbar gemacht werden, so dass danach die Fähigkeiten gezielt gefördert werden können.

Außerdem hat FRÖBEL im Vergleich mit anderen Trägern mit fast 14 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Anteil an männlichen Fachkräften. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 7 Prozent. Wir beschäftigen mehr als 79 verschiedene Nationalitäten und sehen darin sehr viel Potential für die pädagogische Arbeit, aber auch für unsere Teams.

Welche Vorteile bringen diverse Teams?

Diverse Teams bieten ein großes Potential an unterschiedlichen Sichtweisen. Jüngere und ältere Beschäftigte mit jeweils unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Hintergründen, sowie Quereinsteigende, die auch schon in anderen Kulturkreisen tätig waren – sie alle bringen individuelle Erfahrungen mit. Das ist eine Chance, alte Denkweisen und Standpunkte in Frage zu stellen und mutige neue ganz unbekannte Wege einzuschlagen.

Das setzt natürlich eine partizipative, manchmal herausfordernden Diskussionskultur voraus, die sich aber lohnt! Indem wir einander zuhören, können wir voneinander lernen und das erweitert immer den eigenen Horizont. Denn Diversität zu leben lässt sich nicht in einem Seminar „beibringen“; es beinhaltet immer eine Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie und einen stetigen Meinungsaustausch.  

FRÖBEL hat 4.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wie tauschen Sie sich mit allen über den Wertekanon aus? 

Unser Fortbildungsprogramm bieten eine Vielzahl an Seminaren rund um die Themen Inklusion, Gemeinschaft, Vorurteilsbewusstsein etc. an. Zusätzlich geben Teamfortbildungen Raum und Zeit darüber zu diskutieren, wie sich ein Team diesen Themen individuell nähern kann.

Unser Ziel ist es, durch konkrete Angebote eigene Stereotypen zu hinterfragen, gedankliche Schubladen aufzumachen, den eigenen Wertekanon kritisch zu betrachten. Eine offene Diskussionskultur bietet die Chance, Unterschiede zu erkennen und unterschiedliche Meinungen auch auszuhalten – eine Grundvoraussetzung für eine offene Haltung in einer diversen Gesellschaft. Immer wieder neu zu denken und über den eigenen Tellerrand zu schauen ist anstrengend und schwer, aber die Anstrengungen lohnen sich und erweitern das eigene Handlungsspektrum extrem.  

Wir bauen zunehmend auch ein weites Netzwerk auf, um mit verschiedenen Akteurinnen und Institutionen über Themen wie Antidiskriminierung und Diversität in den Austausch zu gehen. Zum Beispiel haben wir mit Frau Lahya Aukongo und „pro familia“ zwei absolute Fachexperten auf diesem Gebiet gewinnen können. Die Entscheidung für die Zusammenarbeit entstand aber aus einem anderen Grund, beide bringen Menschen in einen Dialog und regen zur Diskussion an. Ihnen geht es nicht um Richtig oder Falsch, sondern um die offene Einstellung zum Thema Diversity. 

Was soll in den nächsten Jahren stärker vorangetrieben werden beim Thema Vielfalt? 

Ich wünsche mir, dass wir viele Räume schaffen, um über das Thema diskutieren zu können. Außerdem würde ich es begrüßen, wenn mehr Menschen mit einer Beeinträchtigung in unserem Unternehmen beschäftigt würden. In der Personalabteilung haben wir – um ein Beispiel zu nennen - derzeit eine Auszubildende, die körperlich eingeschränkt ist. Dank des mutigen Engagements der Abteilungsleitung läuft die Zusammenarbeit wirklich vorbildlich und eine Übernahme steht kurz bevor. Ich glaube, dass auch in diese Richtung noch viele Möglichkeiten gegeben sind. Wir sollten mehr Herausforderungen annehmen und sie für alle Beteiligte zu einem Gewinn gestalten. Einfach mal wieder die Schublade aufmachen und nochmal neu denken…

Vielen Dank für das Gespräch!

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