Kompetenz für Kinder

FRÖBEL engagiert Berufliche Integration

Einblicke: Montessori-Pädagogik gibt es auch in Syrien

Nour Kassabi (24) aus Damaskus hat ein Praktikum in einem Berliner FRÖBEL-Kindergarten absolviert

Nour Kassabi, Praktikantin im FRÖBEL-Kindergarten Straßburger Straße

Nour Kassabi (24) aus Damaskus (Syrien) lebt seit einem halben Jahr in Deutschland. In Syrien hat sie in einem privaten Montessori-Kindergarten gearbeitet und plant derzeit einen Masterstudiengang in Englischer Literatur zu absolvieren. Um das System der frühkindlichen Bildung kennenzulernen, hat sie in einem Berliner FRÖBEL-Kindergarten hospitiert. Wir haben sie zu ihren beruflichen Erfahrungen, Wünschen, und Zielen befragt.

Frau Kassabi, Sie sind als Studentin nach Deutschland gekommen?

Ja, ich bin seit einem halben Jahr in Deutschland, um hier mein Masterstudium in Englischer Literatur zu absolvieren. Zuvor habe ich in Damaskus einen Bachelorstudiengang in Anglistik abgeschlossen und in einem Montessori-Kindergarten und an einer Schule gearbeitet. Auch in Deutschland hätte ich gerne wieder als Erzieherin gearbeitet. Das ist derzeit leider sehr schwierig. Deshalb studiere ich jetzt weiter.

Welche Unterschiede sehen Sie zwischen Deutschland und Syrien in der frühkindlichen Bildung?

In Syrien ist es eher unüblich, Kinder vor dem Alter von 3 Jahren in Betreuung zu geben. Wenn also beide Eltern arbeiten, springt die Großfamilie ein und kümmert sich mit. Für bestimmte Berufssparten gibt es aber eine Art angegliederte Krippe, wie z.B. für Lehrer*innen an den Schulen, in denen sie unterrichten.
Die Art und die Ausrichtung des Kindergartens oder der Schule hängen sehr davon ab, ob sie öffentlich oder privat sind. Während Disziplin bei öffentlichen Kindergärten noch sehr im Fokus steht und Bildung als Unterricht verstanden wird, ähneln private Kindergärten den Einrichtungen in Deutschland, indem sie zum Beispiel eigene pädagogische Schwerpunkte setzen. Ich habe in einer Montessori-Einrichtung gearbeitet, in der wir die gleichen Materialen genutzt haben, wie Montessori-Einrichtungen hier in Deutschland. Gerade verändert sich aber viel in Syrien. Immer mehr öffentliche Einrichtungen orientieren sich an den privaten Kindergärten und Schulen und beginnen, die gleichen Materialien zu nutzen. Damit öffnen sie sich gleichzeitig modernen pädagogischen Ansätzen. Und selbstverständlich kann man auch in Syrien pädagogische Fächer studieren.

Was gefiel Ihnen im Berliner FRÖBEL-Kindergarten?

Das System in Deutschland, wie ich es bei der Hospitation im FRÖBEL-Kindergarten Straßburger Straße kennenlernen konnte, ist sehr offen. Montessori-Pädagogik wird hier sehr praxisnah im Spiel umgesetzt. Das hat mir gut gefallen.

Was begeistert Sie am Erzieher*innenberuf?

Es hat mich immer wieder begeistert zu sehen, wie schnell Kinder lernen, wie sie Fortschritte machen und welche Entwicklung innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten zu sehen ist. Ich habe mich einfach sehr gefreut, wenn ein Kind auf mich zu gerannt kam, um mir stolz und begeistert zu zeigen, was es Neues gelernt hat.

Was sollten Träger und die Teams in den Kindergärten bei der Integration Geflüchteter aus Ihrer Sicht beachten?

Ich glaube, egal ob es Kinder oder Fachkräfte sind, ist es wichtig sich die Zeit zu nehmen und sich den Hintergrund dieser Menschen anzuschauen – ob es das Bildungssystem im Heimatland ist oder die Berücksichtigung von Fluchterfahrungen. Als Erzieherin mit Fluchthintergrund würde ich mir wünschen, mich durch Seminare oder Workshops auf die fachlichen Anforderungen in Deutschland vorbereiten zu können. So wäre auch eine Vernetzung von Fachkräften mit ähnlichen Erfahrungen möglich. 

Warum sollten Geflüchtete auch in den Erzieher*innenberuf integriert werden?

Ich glaube wir können viel voneinander lernen. Und wenn ich die Kinder mit Fluchterfahrung sehe, kann ich mir vorstellen, dass es für sie nicht leicht ist, in einer neuen Umgebung zum ersten Mal ohne ihre Familie und in einer fremden Sprache zurecht zu kommen. Da können Pädagog*innen aus demselben Kultur- und Sprachkreis eine echte Unterstützung sein.


Lesen Sie auch den Erfahrungsbericht zum Praktikum in Potsdam:
» Eine Praktikantin und eine Leitung erzählen - Mona Shinar und Sabine Walkhoff-Reichel


Interessiert? Zu allen Fragen rund um Praktikum, Quereinstieg und berufsbegleitende Ausbildung bei FRÖBEL für Geflüchtete berät Sie

Talitha Goldmann-Kefalas, Projektkoordinatorin für die berufliche Integration pädagogischer Fachkräfte mit Fluchterfahrung
Abteilung Personalentwicklung und -fortbildung
Tel.: +49 30 21235-346
E-Mail: goldmann-kefalas@froebel-gruppe.de
Bürozeiten: Mo – Mi | 10:00-16:00 Uhr

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Hier finden Sie ausgewählte aktuelle Meldungen von FRÖBEL.

Newsletter

Interessante Neuigkeiten schicken wir Ihnen auch gern einmal im Monat in unserem Newsletter "FRÖBEL Rundblick" zu. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Pressemitteilungen

Interessieren Sie sich für unsere aktuellen Pressemitteilungen? Dann finden Sie einen Überblick im Pressebereich der FRÖBEL-Gruppe.