Kompetenz für Kinder

Aktuelles FRÖBEL engagiert Ehrenamt

Erfolgreiche Integration in Köln

Leiter Dietmar Werheit über die Aufnahme geflüchteter Kinder im Kindergarten

Dietmar Werheit, Leiter des FRÖBEL-Kindergartens Zwergenhütte

Der FRÖBEL-Kindergarten Zwergenhütte in Köln

Seit Juni 2015 ist der FRÖBEL-Kindergarten Zwergenhütte in Köln am neuen Standort in Betrieb. Der Kindergarten verfügt über 50 Plätze, davon sind sechs an Kinder mit Flüchtlingsstatus vergeben. Sie kommen aus Ghana, dem Libanon und Syrien, das jüngste Kind ist erst zwei Jahre alt.
Dietmar Werheit leitet den Kindergarten gemeinsam mit Simone Hoff-Wagner seit dem ersten Tag. Wir fragten ihn nach seinen Erfahrungen insbesondere in der Zusammenarbeit mit Familien, die erst kurz in Deutschland sind.

Herr Werheit, was kennzeichnet Ihre Einrichtung?

Die Zwergenhütte ist eine sehr junge Einrichtung. Uns gibt es seit knapp 8 Monaten am Standort im Kieskauler Weg. Unsere Familien sind so gemischt wie der Ortsteil Merheim selbst – sie kommen ebenso aus gutbürgerlichen Einfamilienhäusern wie aus sozial schwächeren Wohngebieten. Gut 50 Prozent unserer Kinder sind "nicht-deutscher Herkunft", sechs von ihnen haben einen Flüchtlingsstatus. Für uns spielt das keine Rolle – bei uns sind alle gleich willkommen!

Dennoch interessieren uns Ihre Erfahrungen speziell in der Zusammenarbeit mit Familien, die ganz neu in Deutschland sind. Wie gehen Sie z.B. mit Sprachbarrieren um?

Unsere Familien sprechen "broken English" und Arabisch, bislang aber wenig oder gar kein Deutsch. Anfangs waren wir in der komfortablen Situation, zwei arabisch-sprechende Kolleg*innen im Haus zu haben, was die Eingewöhnung sehr erleichtert hat. Nun sind leider beide wegen Schwangerschaft im Beschäftigungsverbot. Aber wir helfen uns anders, binden Ehrenamtliche ein und pflegen engen Kontakt zum Jugendamt und zu den Sozialarbeiter*innen des Allgemeinen Sozialen Dienstes, die sich um Dolmetscher*innen z.B. für Entwicklungsgespräche kümmern und auch mal direkt mit den Eltern Kontakt aufnehmen. Inzwischen übersetzen wir die wichtigsten Inhalte unseres Kita-Newsletters ins Englische und stellen gleichzeitig sicher, dass die Informationen auch Eltern ohne E-Mail-Adresse erreichen. Hier haben wir anfangs Fehler gemacht.

Wie fanden die Familien zu Ihnen?

Die erste Familie mit drei Geschwisterkindern haben wir bereits im Juli aufgenommen, vermittelt über einen privaten Kontakt. Die anderen Familien wohnen im Umkreis. Glücklicherweise sind alle in Wohnungen oder wenigstens Wohneinheiten untergebracht, in denen sie zunächst bleiben können. Somit hatten wir bisher glücklicherweise nicht die Situation, dass gerade eingewöhnte Kinder unsere Einrichtung wieder verlassen mussten.  

Wie nehmen Sie und Ihr Team die Kinder wahr?

Ein Teil der Kinder war besonders anfangs sehr zurückhaltend, teilweise aber auch extrem fordernd und ungewöhnlich neugierig, was das Team besonders in der Eingewöhnungszeit zugegebenermaßen sehr viel Kraft gekostet hat. Es gibt auch kulturelle Unterschiede, die wir erst einmal zu verstehen lernen mussten – ein Prozess, der für uns natürlich auch spannend ist! Die Eingewöhnung, der Aufbau von Beziehungen der Kinder zu den Erzieher*innen ging im Grunde genauso schnell wie bei den anderen Kindern auch. Sie lernen sehr schnell Deutsch, sind überwiegend lebhaft und fröhlich und kommen offensichtlich gerne in den Kindergarten. Besonders drei Geschwisterkinder bringen hier wirklich Stimmung in die Bude!

Gibt es Schwierigkeiten mit anderen Eltern oder dem Team bezüglich der Aufnahme von geflüchteten Kindern, z.B. weil sie anfangs besondere Aufmerksamkeit benötigen?

Nein, absolut nicht. Offenbar ist es für alle eine Selbstverständlichkeit. Die Kinder haben hier keinen Sonderstatus, auch nicht verbal. Wir haben im Team gleich beschlossen, Begriffe wie "Flüchtlingskinder" nicht zu verwenden, und alle halten sich daran. Ich freue mich sehr, dass unser gesamtes Team eine offene und menschliche Haltung vertritt.

Wie gehen Sie mit (möglicherweise) traumatisierten Kindern um? 

Das ist ein schwieriges Thema, eben weil es so schwer zu beurteilen und abzugrenzen ist. Teilweise haben die Kinder selbst innerhalb einer Familie ganz unterschiedliche Fluchterfahrungen. Bei einer unserer Familien hat das älteste Kind die Flucht mit dem Boot erlebt, das zweite ist in Italien geboren und das jüngste in Deutschland. Man muss hier ganz individuell hinschauen. Bislang konnten wir bei unseren Kindern keinen besonderen Unterstützungsbedarf feststellen. Ich plädiere aber grundsätzlich dafür, die Kinder nicht sofort nach ihrer Ankunft in die Kita zu geben. Bei uns im Stadtteil gibt es Angebote für Eltern, mit den Kindern gemeinsam zunächst eine Art "Tagesgruppe" mit professioneller Betreuung zu besuchen. So werden Eltern und Kinder behutsam an das "System Kindergarten" herangeführt.

Welche Erfahrungen würden Sie anderen FRÖBEL-Leitungen weitergeben?

Darauf zu achten, alle Eltern von Anfang an mit einzubeziehen, bei der alltäglichen Kommunikation wie auch bei gemeinsamen Aktivitäten. Und flexibel zu sein, beispielsweise bei der Zuteilung der Kinder zum Nestbereich oder zum offenen Bereich. Hier sollte der Fokus stärker auf dem individuellen Entwicklungsstand liegen als auf dem Alter. Da würde ich heute noch genauer hinschauen und in einem Fall auch anders entscheiden.  

Wie kann FRÖBEL Sie als Träger wirkungsvoll unterstützen?

Die Dokumente in unserem FRÖBEL-Intranet sind eine tolle Unterstützung, hier findet man wirklich sehr viele hilfreiche Materialien. Die mehrsprachige Veröffentlichung des Bayerischen Staatsministeriums, die Eltern im Asylverfahren zum Kindergarten in Deutschland informiert (» hier zum Download), hat eines unserer Elternpaare überzeugt. Sie haben zunächst überhaupt nicht verstanden, warum sie ihre Kinder in die Tagesbetreuung geben sollten, wo sie doch genauso gut zuhause "spielen" könnten. Wir konnten miterleben, wie sich ihre Haltung innerhalb einer Woche vollständig änderte: sie haben verstanden, dass der Kindergarten auch ein Ort der Bildung ist.
Weiterhin können die Fachberatungen unterstützen und natürlich Fortbildungen – hier würde ich mir mehr Angebote speziell zu interkultureller Arbeit und zum Thema "Trauma" wünschen, um eine qualifizierte Entscheidung treffen zu können, wann externe Hilfe z.B. durch eine*n Kinderpsycholog*in nötig ist.  


» zur Homepage des FRÖBEL-Kindergartens Zwergenhütte

» FRÖBEL begrüßt geflüchtete Familien

Bleiben Sie auf dem Laufenden

Hier finden Sie ausgewählte aktuelle Meldungen von FRÖBEL.

Newsletter

Interessante Neuigkeiten schicken wir Ihnen auch gern einmal im Monat in unserem Newsletter "FRÖBEL Rundblick" zu. Hier können Sie den Newsletter abonnieren.

Pressemitteilungen

Interessieren Sie sich für unsere aktuellen Pressemitteilungen? Dann finden Sie einen Überblick im Pressebereich der FRÖBEL-Gruppe.