Kompetenz für Kinder

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Hoşgeldiniz - Herzlich willkommen in Istanbul!

Unsere Kollegin Christiane Koch berichtet aus dem FRÖBEL-Kindergarten in Istanbul

Anfang des Jahres berichtete unsere Kollegin Christiane Koch in einem Interview über ihre Motivation und ihre Erwartungen an ihren bevorstehenden mehrmonatigen Austausch zu FRÖBEL in Istanbul.

Im Januar verließ Christiane Koch den FRÖBEL-Kindergarten An St. Bonifatius in Köln, um einen Einblick in ein anderes Land, seine Kultur und die interkulturelle Fachpraxis außerhalb Deutschlands zu erhalten. Bereits drei Monate arbeitet sie bei FRÖBEL in der Türkei im FRÖBEL-Kindergarten in Istanbul als pädagogische Fachkraft und berichtet uns von ihren ersten Eindrücken:

Hoşgeldiniz (Herzlich Willkommen)!


Anfang Januar war Istanbul einem heftigen Schneeeinbruch ausgesetzt. Mein Flug war der erste aus Köln, der nach geraumer Zeit wieder am Istanbuler Atatürk Flughafen landen konnte. Der Verkehr und das öffentliche Leben lagen mehrere Tage brach. Der FRÖBEL-Kindergarten und auch die Schulen waren in dieser Zeit geschlossen. Gülsen Apaydin, die Geschäftsführerin des Fröbel-Kindergartens Istanbul, nahm mich und Yasemin Serbest, die Referentin für den Bereich Internationales bei FRÖBEL, mit in den großen Bazar. Der große Bazar ist ein über 31.000 m² großes Geschäftsviertel mit rund 4000 Geschäften in einem alten Istanbuler Stadtteil. Der Besuch war ein Erlebnis, das für mich einen schönen Einstieg in das quirlige und turbulente Leben der Metropole darstellte. Geballter „Orient“ in wenigen Stunden.

Meine erste Arbeitswoche im FRÖBEL-Kindergarten Istanbul startete mit einer Woche Teamschulung und den Vorbereitungen für das zweite Kita-Halbjahr. Im Unterschied zum deutschen Kita-System ist das Kindergartenjahr in der Türkei in zwei Blöcke aufgeteilt, die durch zwei Monate Sommerprogramm ergänzt werden. Die Erzieher und Erzieherinnen werden hier als Lehrer bzw. Lehrerinnen (öğretmen) wahrgenommen und richten sich nach den Bildungsplänen des türkischen Bildungsministeriums.

In der Regel bleiben nur wenige Kinder bis sie sechs Jahre alt sind im Kindergarten. Sie wechseln häufig im letzten Jahr vor Schulbeginn in eine der Schule angeschlossene Vorschule. Sofern die Eltern die Möglichkeit haben, werden die Kinder innerhalb der Familie von den Großeltern oder Nannys betreut.

Die meisten Kinder im FRÖBEL-Kindergarten in Istanbul sind zwischen zwei und fünf Jahre alt. Eine aus meiner Perspektive recht homogene Altersstruktur mit Vor- und Nachteilen. Denn es fehlen manchmal die älteren, selbstständigen Kinder, die den kleineren als Vorbilder dienen können. Ich arbeite in der Gruppe der kleineren Kinder, in der 26 Kinder von derzeit insgesamt vier türkisch- und deutschsprachigen Fachkräften betreut werden. Sechs Kindern stehe ich als Bezugserzieherin zur Seite und übernehme die Elternkontakte und -gespräche sowie die Dokumentation.

Einen wesentlichen Unterschied zum Kindergartenalltag in Deutschland sehe ich in der Regelung der Bring- und Abholorganisation. Die Eltern, Nannys oder Fahrer der Kinder betreten den Kindergarten nicht persönlich sondern geben die Kinder an der Eingangstür ab. Das bedeutet, dass drei Kollegen und Kolleginnen zeitgleich für den Empfang und die Verabschiedung der betreuten Kinder am Eingangsbereich zuständig sind - ein doch recht personalintensives Vorgehen.

Die Erzieher und Erzieherinnen im FRÖBEL-Kindergarten in Istanbul bereiten zu festen Zeiten ihre Aktivitäten vor, die in zwei Blöcke aufgeteilt werden. Sie erarbeiten dafür zu verschiedenen Schwerpunkten pädagogische Impulse auf Grundlage des türkischen Bildungsplans. Dabei gibt es jede Woche für jede Gruppe:

  • eine Küchenaktivität
  • einen Sporttag
  • ein Rollenspiel
  • eine Kunstaktion
  • Materialerfahrung
  • sowie ein Haus der kleinen Forscher-Projekt.

In diesem Zusammenhang wählen die Erzieher und Erzieherinnen passende Begriffe aus, die sie den Kindern genauer erläutern. Sie singen Lieder mit den Kindern und bieten thematisch passende Rollenspiele an.

Das interkulturelle Team leistet eine tolle Arbeit vor Ort, ist engagiert und kreativ und stellt so einiges auf die Beine. Für mich ist es neu, dass hier jede Aktivität dokumentiert und mit Fotografien in einer geschlossenen Facebook-Gruppe gepostet wird. Es gibt sogar eine App, die den Tagesablauf jedes Kindes festhält und eine Whats-App-Gruppe, in der wöchentlich ein Elternbrief veröffentlicht wird.

Wie die Kollegen und Kolleginnen in Deutschland warten auch wir auf den lang ersehnten Frühling. Wir freuen uns schon auf die Gartenzeit und darauf, dass das An- und Ausziehen von Matschhosen und Gummistiefeln ein Ende nimmt.

In Istanbul haben wir eine Stunde länger Sonnenschein. Ich nutze die Zeit, um die Stadt zu Fuß zu erkunden. Ich fühle mich sicher hier. Im Alltag merkt man nichts von der Krise und dem Sicherheitsrisiko. Jedoch blicke ich mit Sorge und einer gewissen Unruhe auf das Referendum, in dem am 16. April das türkische Volk über die Verfassungsreform abstimmt.

Hoşcakal (Auf Wiedersehen)

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