Kunst JETZT! · Kultur JETZT! 29. Juli 2026

Kunst JETZT! Bühnen- und Kostümbildnerin Franziska Harm im Fröbel-Kindergarten Seeburger Straße, Berlin

Mit Formen, Farben und Materialien die Welt neu entdecken

(c) Franziska Harm

Wie fühlt sich eine Linie an? Kann ein Kreis eine Maske werden? Welche Farbe entsteht, wenn Licht durch mehrere Folien scheint? Und was erzählt eigentlich mein täglicher Weg zur Kita? 

Mit diesen und vielen weiteren Fragen eröffnete Bühnen- und Kostümbildnerin Franziska Harm den Kindern des Fröbel-Kindergartens Seeburger Straße im Rahmen von Kunst JETZT! einen außergewöhnlichen künstlerischen Forschungsraum. Über mehrere Monate hinweg wurde die Kita zum Atelier, Experimentierraum und Labor für Wahrnehmung, Material und Gestaltung. Statt vorgegebene Bastelarbeiten anzufertigen, begaben sich die Kinder auf eine gemeinsame Entdeckungsreise, bei der das Ausprobieren, Beobachten und Weiterdenken im Mittelpunkt standen. 

Kunst beginnt mit dem Staunen 

Franziska Harm, die als Bühnen- und Kostümbildnerin Räume für Theaterproduktionen entwickelt, brachte ihren Blick auf Material, Licht und Raum in die Kita. Ihre künstlerische Arbeitsweise war geprägt von Fragen statt Antworten. Gemeinsam mit den Kindern untersuchte sie Gegensätze wie hart und weich, hell und dunkel, zwei- und dreidimensional, Linie und Fläche oder Licht und Schatten. Dabei wurden alltägliche Materialien zu Werkzeugen künstlerischer Forschung. 

Aus Pfeifenputzern und Alufolie entstanden plastische Skulpturen, Papierkreise verwandelten sich in fantasievolle Masken und aus einfachen Pop-up-Techniken entwickelten die Kinder kleine begehbare Raumwelten. Linien wurden nicht nur gezeichnet, sondern als gespannte Wollfäden im Raum erlebt. Aus Ästen, Blättern und Steinen bauten die Kinder eigene „urbane Pinsel“, mit denen sie ganz neue Malspuren entdeckten. 

Wahrnehmen, forschen, Zusammenhänge entdecken 

Der pädagogische Ansatz des Projekts folgte konsequent der Idee des forschenden Lernens. Ausgangspunkt waren stets die Beobachtungen und Fragen der Kinder. Immer wieder verließ die Gruppe das Atelier und erkundete ihre Umgebung: Wo begegnen uns geometrische Formen im Alltag? Wie verändert Licht Farben? Welche Materialien finden wir vor der Kita? Wie sieht mein eigener Weg zur Einrichtung aus? 

Diese Erfahrungen wurden anschließend künstlerisch weiterentwickelt. Die Kinder legten Formen, bauten Modelle, zeichneten Stadtkarten, experimentierten mit Lichtfolien, gestalteten Schattenfiguren oder entwickelten eigene kleine Künstlerbücher über sich selbst. Sie lernten dabei bekannte Künstlerinnen und Künstler wie Louise Bourgeois, Olafur Eliasson, Caspar David Friedrich, Hannah Höch oder Gerhard Richter kennen – jedoch nie als Vorlagen zum Nachmachen, sondern als Inspiration für eigene Ideen und Fragestellungen. 

Der Prozess ist das Kunstwerk 

Besonders eindrucksvoll zeigte sich während des Projekts, dass Kunst weit mehr sein kann als ein fertiges Bild. Die Kinder mischten Farben, beobachteten Zufälle beim Drucken, kombinierten Materialien neu und entwickelten aus Modelliermasse fantasievolle Wesen. Beim Gestalten von Porträts oder Collagen setzten sie sich mit ihrer eigenen Persönlichkeit auseinander und entdeckten gleichzeitig die Perspektiven anderer. 

Dabei gab es kein „richtig“ oder „falsch“. Vielmehr wurde jedes Experiment Teil eines gemeinsamen Lernprozesses. Die Kinder entschieden selbst über Materialien, Farben und Gestaltungsideen, präsentierten ihre Arbeiten gegenseitig und entwickelten gemeinsam immer neue Fragestellungen. Kunst wurde so zu einem offenen Dialog, in dem Kreativität, Selbstvertrauen und Mitbestimmung selbstverständlich zusammengehörten. 

Kunst JETZT! in Berlin 

Mit Kunst JETZT! bringt Fröbel seit Mai 2025 Künstlerinnen und Künstler unterschiedlichster Disziplinen in seine Einrichtungen. Die Zusammenarbeit mit Franziska Harm zeigt eindrucksvoll, wie ästhetische Bildung Kinder dazu anregt, ihre Umwelt bewusst wahrzunehmen, Fragen zu stellen und eigene Ausdrucksformen zu entwickeln. 

Im Fröbel-Kindergarten Seeburger Straße entstanden dabei nicht nur Zeichnungen, Skulpturen, Drucke oder Collagen. Vor allem entstand eine Haltung: neugierig bleiben, genau hinschauen, gemeinsam forschen und den Mut haben, eigene Ideen auszuprobieren. So wurde Kunst zu einem Erfahrungsraum, in dem Wahrnehmung, Kreativität und demokratisches Miteinander gleichermaßen wachsen konnten.

Kunst JETZT! und die Zusammenarbeit von Kita und Künstler:innen wird durch den Fröbel e.V. bis Ende 2025 ermöglicht. Unterstützen Sie unsere Projekte langfristig: Als Fördermitglied im Fröbel e.V. tragen Sie dazu bei, Kindern vielfältige kreative Erfahrungen zu ermöglichen.