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Kunst und Kita entwerfen gemeinsam Zukunft
Beim Fachtag „Kunst und Kita entwerfen gemeinsam Zukunft“ diskutierten rund 160 Teilnehmende im Hamburger Bahnhof in Berlin über die Bedeutung kultureller Bildung in der frühen Kindheit und die Erfahrungen aus dem Förderprogramm Kunst JETZT! des Fröbel e.V.
Wie können Kinder durch Kunst Zukunft gestalten? Welche Räume eröffnet zeitgenössische Kunst für Demokratie, Vielfalt und Teilhabe? Und was brauchen starke Kooperationen zwischen Kitas und Kunstschaffenden und Kultureinrichtungen, damit genau das gelingt? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Fachtag „Kunst und Kita entwerfen gemeinsam Zukunft“ am 8. Mai 2026 im Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart in Berlin. Rund 160 Teilnehmende aus Kunst, Kultur, Bildung und Frühpädagogik kamen zusammen, um die Ergebnisse und Erfahrungen aus dem bundesweiten Förderprogramm Kunst JETZT! des Fröbel e.V. zu teilen und gemeinsam weiterzudenken.
Der Fachtag wurde von Fröbel in Kooperation mit dem Hamburger Bahnhof veranstaltet und brachte pädagogische Fachkräfte, Kunstschaffende, sowie zahlreiche externe Gäste aus Bildung, Wissenschaft und Kultur zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie frühkindliche kulturelle Bildung Kinder stärkt – und warum sie gerade jetzt unverzichtbar ist.
„Kinder brauchen Kunst. Und zwar jetzt“, betonte Natalie Kronast, Leiterin des Bereichs Engagementförderung, Kulturelle Bildung & Kooperationen bei Fröbel, in ihrer Begrüßung. Kunst eröffne Räume für Ausdruck, Perspektivwechsel und gesellschaftliche Teilhabe – Fähigkeiten, die Kinder heute dringender denn je benötigten. Außerdem sei Kunst ein Freiraum, in dem Kinder „Fragen stellen, ohne sofort Antworten finden zu müssen“, ein Ort, an dem sie erfahren, „dass auch Erwachsene auf der Suche nach Antworten sind.“ Das lebendige Zusammenspiel von Kindern, Kunst und Kunstschaffenden, sowie ihre gemeinsame Zukunft, ließ sich im Hamburger Bahnhof besonders gut verhandeln – einem „Transitbereich für Zukünftiges“, wie Mathilda Legemah, Direktion Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, das Museum in ihrer Begrüßung bezeichnete.
Zeitgenössische Kunst und Kinder zusammenbringen – ohne pädagogischen Zeigefinger
Den inhaltlichen Auftakt gestaltete die Künstlerin, Kuratorin und Wissenschaftlerin Prof. Dr. Mona Jas mit ihrer Lecture „Immer jung, immer schlau? Zeitgenössische Kunst – Kuratieren und Vermitteln mit einem jungen Publikum und für ein junges Publikum“. Darin sprach sie über das Potenzial zeitgenössischer Kunst, Kindern echte ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen sowie einen kreativen, spielerischen Raum zu eröffnen – jenseits von Vereinfachung oder pädagogischer Vereinnahmung.
Frau Jas gab spannende Einblicke in Projekte, die nach 1945 Kinder mit Kunst und Design verknüpften und appellierte daran, weiterhin dem Spiel und der Freude in der Kunst Platz einzuräumen, sowie Spiel als Selbstzweck wahrzunehmen. Eindrucksvoll präsentierte sie die Entstehung des KinderKunstLabors für Zeitgenössische Kunst im österreichischen St. Pölten, ein kulturelles Leuchtturmprojekt in der Region. „Wir müssen Kindern Räume für Flow geben,“ betonte sie. Außerdem sei die Perspektive von Kindern nicht zu vernachlässigen in der Konzeption von Projekten für ebendiese. Es solle immer gefragt werden: „Was haben die Kinder davon, dass wir das jetzt so machen?“ Diese Haltung und Herangehensweise mache sich bemerkbar im KinderKunstLabor – ein Ort, an dem Kunst für und mit Kindern gedacht ist, Kinder sich künstlerisch und motorisch in Spiel- und Kreativbereichen ausleben können und so ganz natürlich mit Kunst in Kontakt kommen, so wie es auch beim Förderprogramm KUNST Jetzt! geschehe. Frau Jas unterstrich zum Abschluss ihrer Lecture noch einmal die Wichtigkeit, KünstlerInnen und Kinder zusammenzubringen sowie Kooperationen zwischen Kunst und Bildungsinstitutionen zu fördern und bedankte sich bei Kunstschaffenden. „Was wir tun, ist absolut notwendig für die Demokratie,“ betonte sie.
Im Anschluss gab ein Projektfilm Einblicke in das Förderprogramm Kunst JETZT! sowie in die partizipative Installation „Crossing Tracks“ der Künstlerin Natalia Irina Roman.
Was Kinder und Kunst voneinander brauchen
Bei der anschließenden Paneldiskussion sprachen Vertreterinnen und Vertreter aus Kunstvermittlung und Kita-Praxis über die Voraussetzungen gelingender Kooperationen zwischen Kunstschaffenden und Bildungseinrichtungen. Mit dabei waren Claudia Ehgartner vom Hamburger Bahnhof, Natalia Irina Roman sowie Stefan Pattke und Marcus Block aus dem Fröbel-Kindergarten Stepping Stones.
Im Mittelpunkt standen gelungene Beispiele sowie Fragen nach Freiräumen, Haltung und strukturellen Bedingungen kultureller Bildung in der frühen Kindheit.
Claudia Ehgartner gab Einblicke in ihre eigene Arbeitsbiografie und erzählte, wie sie als junge Kindergärtnerin bereits bei Projekten gemerkt habe, wie besonders die Begegnungen zwischen KünstlerInnen und Kindern seien. Später sei sie Kunstvermittlerin geworden, und sorgte im Hamburger Bahnhof dafür, „dass große Räume zur kreativen Arbeit genutzt werden können“ sowie ein offenes Atelier mit Dunkelkammer eingerichtet wurde. Ihre Ausführungen zeigten, dass ein Umdenken in bestehenden institutionellen Strukturen auch immer wieder an Grenzen stoße und Beharrlichkeit erforderlich sei. Frau Ehgartner betonte: „Die Zusammenarbeit mit Fröbel ist für uns besonders großartig“, da beide voneinander lernen und zusammen Konzepte für Kinder und Familien erarbeiten können.
Die Arbeit mit Kunstschaffenden in der Fröbel-Kita Stepping Stones habe bewirkt, dass pädagogische Fachkräfte ihre „Angebote nicht mehr so strikt planen, sondern auch mal laufen lassen können“, sagte Stefan Pattke und lobte die Flexibilität, die durch künstlerisches Arbeiten entstehen kann: „Es muss am Ende nicht das Ergebnis sein, was man sich am Anfang überlegt hat.“ Marcus Block sei davon beeindruckt gewesen zu sehen, „was Kunst eigentlich alles sein kann“ und welch spannende Dynamik ein Kunstschaffender in die Kita bringt. Marcus Block und Stefan Pattke waren sich einig: Die Projekte mit Kunstschaffenden würden die offene Haltung der pädagogischen Fachkräfte in der Arbeit mit den Kindern vertiefen und neue, kreative Impulse ermöglichen.
Natalia Irina Roman betonte, sie sehe ihre Arbeit mit Kindern als „künstlerische Methode, die Zwischenräume erschafft – Räume zum Experimentieren, Räume zwischen Zufall und Planung.“ In ihren partizipativen Kunstprojekten nutze sie Zufall als Struktur – zum Beispiel beim Projekt „So sieht meine Musik aus“, bei dem Kinder mit Farben an den Füßen auf einer textlichen Oberfläche zu ihrer Lieblingsmusik tanzen und dabei ein Bild durch ihre Bewegungen und Fußabdrücke entsteht. Einmal wöchentlich bot sie in der Fröbel-Kita und dem Hort Sternchen partizipative Kunstprojekte an.
Bei der Paneldiskussion wurde deutlich: Künstlerische Prozesse ermöglichen Kindern Selbstwirksamkeit, Offenheit und Beteiligung. Gleichzeitig brauchen solche Prozesse Zeit, Vertrauen und verlässliche Partnerschaften zwischen Kunst und Pädagogik.
Workshops und Rundgänge mit großer Resonanz
Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden in Workshops und Ausstellungsrundgängen konkrete Einblicke in die Praxis von Kunst JETZT! gewinnen. Besonders die künstlerischen Workshops stießen auf großes Interesse und wurden von den Teilnehmenden intensiv genutzt. Themen waren unter anderem Kindheitsobjekte als Ausgangspunkt künstlerischer Prozesse, Performance und Irritation mit Kita-Kindern sowie Bildung durch Tanz.
Auch die Rundgänge durch aktuelle Ausstellungen des Hamburger Bahnhofs sowie durch das Projekt „4plus – Kinder im Museum“ machten sichtbar, wie Kinder zeitgenössische Kunst aktiv aneignen und mitgestalten können.
Kunst JETZT! wirkt weiter
Mit dem Förderprogramm Kunst JETZT! hat Fröbel gemeinsam mit Kunstschaffenden und Kitas neue Räume für kulturelle Bildung geschaffen. Rund 1.500 Kinder und ihre Familien waren beteiligt. Der Fachtag zeigte eindrucksvoll, wie groß das Interesse an nachhaltigen Kooperationen zwischen Kunst und frühkindlicher Bildung ist – innerhalb von Fröbel ebenso wie darüber hinaus.
Der intensive Austausch, die zahlreichen Begegnungen und die positive Resonanz auf das Programm machten deutlich: Kunst und Kita können gemeinsam Zukunft entwerfen – wenn Kinder die Möglichkeit bekommen, Kunst nicht nur zu betrachten, sondern selbst künstlerisch tätig zu werden.