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Politik und Gesellschaft 29. Oktober 2026 · BW

Mehr Zeit für Kinder: Fröbel bringt Kita-Praxis in den Bundestag

Für eine gezielte Förderung und verlässliche Qualität: Heute haben wir unsere politische Stellungnahme zum Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz eingereicht.

Große Träume für jedes Kind durch gleiche Startchancen - dafür gehen wir bis in den Bundestag (© Fröbel e.V./Florian Jaenicke)

Am 2. November wird Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker die darin zusammengefassten praktischen Erfahrungen aus mehr als 250 Einrichtungen zusammen mit unseren politischen Forderungen in den Deutschen Bundestag und somit die künftige Gesetzgebung einbringen. 

Jedes Kind braucht Menschen, die Zeit haben: zum Zuhören, zum gemeinsamen Entdecken und um Entwicklungsschritte aufmerksam zu begleiten. Genau darum geht es beim geplanten Kita-Startchancen- und Qualitätsentwicklungsgesetz (SCQEG). Mit zusätzlichen Bundesmitteln und erstmals verbindlichen Qualitätsstandards soll die frühe Bildung gestärkt werden. Das ist eine große Chance – wenn die Unterstützung tatsächlich auch bei den Kindern ankommt!

Fröbel hat heute seine Stellungnahme zum Gesetzentwurf beim Deutschen Bundestag eingereicht. Sie ist bereits auf der offiziellen Anhörungsseite des Ausschusses für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter „Stellungnahmen“ veröffentlicht. Am Montag, 2. November, ist Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker als Sachverständiger zur öffentlichen Anhörung eingeladen. Im Parlamentsfernsehen wird die Anhörung wird von 14 bis 15.45 Uhr live übertragen und ist für jedermann zugänglich. 

Mehr Geld muss mehr Zeit für Kinder schaffen

Der Gesetzentwurf sieht erstmals bundesweit verbindliche Zeit- und Personalressourcen für die Beobachtung und Förderung von Kindern vor. Das bedeutet: Pädagogische Fachkräfte sollen verlässlich Zeit bekommen, um die Entwicklung jedes Kindes zu begleiten, Unterstützungsbedarf früh zu erkennen und gezielt zu fördern. Doch genau diese Verbindlichkeit steht auf dem Spiel. Der Bundesrat möchte nämlich konkrete Vorgaben durch allgemeinere Formulierungen ersetzen. Fröbel setzt sich dafür ein, die Standards zu erhalten. Zugleich müssen die Länder sicherstellen, dass zusätzliche Bundesmittel tatsächlich mehr Personal und bessere Förderung ermöglichen – anstatt bestehender Ausgaben zu ersetzen. „Die Frage ist also nicht, ob der Bund genug Geld bereitstellt, sondern ob es bei den Kindern ankommt“, betont Stefan Spieker. „Die Länder müssen dafür sorgen, dass daraus mehr Zeit für Kinder und zusätzliche Fachkräfte wird.“

Genau hinschauen: Was braucht jedes Kind?

Besonders herausgeforderte Kitas sollen durch das Gesetz zusätzliche Unterstützung erhalten. Doch welche Einrichtungen brauchen diese besonders dringend? Fröbel weiß aus eigener Erfahrung: Die soziale Lage eines Stadtteils ist ein wichtiger Hinweis, erzählt aber nicht die ganze Geschichte. Mit dem wissenschaftlich fundierten Verfahren BaSiK beobachten wir die Sprachentwicklung von mehr als 16.000 Kindern. Die Ergebnisse zeigen: Rund jedes vierte Kind braucht zusätzliche Sprachförderung – auch dort, wo klassische Sozialindikatoren keinen besonders hohen Bedarf vermuten lassen.
Deshalb fordert Fröbel, bei der Auswahl der sogenannten Startchancen-Kitas neben sozialen Faktoren auch die tatsächlichen Sprach- und Entwicklungsstände der Kinder zu berücksichtigen. Denn jedes Kind soll die Unterstützung bekommen, die es braucht – unabhängig davon, wo es aufwächst.

Was hilft Kindern wirklich?

Fröbel möchte nicht nur zusätzliche Ressourcen fordern, sondern auch zeigen, was sie bewirken können. Ab 2027 planen wir deshalb, in besonders herausgeforderten Kitas in Bremen und Brandenburg zusätzliche Fachkräfte für Sprachbildung und Kita-Sozialarbeit einzusetzen. Wissenschaftlich begleitet soll untersucht werden, wie sich diese Unterstützung auf die Entwicklung der Kinder auswirkt. Denn gute frühe Bildung bemisst sich nicht allein daran, wie viel Förderung angeboten wird. Entscheidend ist, was sie bei den Kindern bewirkt. Daran wollen wir auch unsere eigene Arbeit messen lassen.

Wie geht es jetzt weiter?

Nach der Anhörung am 2. November beraten die Abgeordneten weiter über den Gesetzentwurf und mögliche Änderungen. Fröbel wird sich weiterhin dafür einsetzen, dass verbindliche Qualitätsstandards erhalten bleiben, die Länder ihre Finanzierungsverantwortung wahrnehmen und Fördermittel dort eingesetzt werden, wo Kinder sie brauchen.