Erasmus+ 25. Juni 2026

Mit Erasmus+ nach Helsinki: Internationaler Austausch zum Kinderschutz

Wie können Kinderrechte und Kinderschutz wirksam gestärkt werden? Fröbel-Mitarbeitende tauschten sich in Helsinki mit Expertinnen aus Politik, Wissenschaft und Praxis aus.

Momente fürs Fotoalbum: Die Fröbel-Reisegruppe vor dem bekannten „Helsinki“-Schriftzug.

Anfang Juni reisten Mitarbeitende aus dem Fröbel-Kinderschutzteam sowie pädagogische Fachkräfte aus Berlin, Cottbus, Frankfurt Oder, Köln und Bonn im Rahmen des Erasmus+-Programms nach Helsinki. 

Kinderschutz international: Was wir aus Finnland mitgenommen haben

Ein Bericht von Katrin Hentze, Leiterin der Abteilung Kinderschutz bei Fröbel

Wie gelingt wirksamer Kinderschutz auf gesellschaftlicher Ebene? Ziel der fünftägigen Fachreise war der internationale Austausch zu aktuellen Entwicklungen, Strukturen und Herausforderungen im Kinderschutz. Im Rahmen eines Erasmus+-Fachbesuchs haben wir uns in Helsinki mit Expertinnen und Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis ausgetauscht. Die Reise hat uns viele Impulse für unsere eigene Arbeit bei Fröbel gegeben.

Bei unseren Besuchen in Ministerien, Jugendhilfeeinrichtungen, Forschungseinrichtungen und Verbänden entstand nach und nach ein umfassendes Bild davon, wie Kinderschutz in Finnland gedacht und umgesetzt wird.

Besonders beeindruckt hat uns der konsequente Präventionsansatz. Kinderrechte, Gesundheit, Bildung und Kinderschutz werden nicht als getrennte Themen betrachtet, sondern eng miteinander verbunden. Familienzentren bieten vielerorts medizinische, psychosoziale und beratende Unterstützung unter einem Dach an. Ziel ist es, Familien frühzeitig zu stärken und Hilfen niedrigschwellig zugänglich zu machen.

Ein weiterer wichtiger Eindruck war die starke gesellschaftliche Verankerung von Kinderrechten. Hinweise auf mögliche Gefährdungen von Kindern können unkompliziert gemeldet werden und werden von Fachkräften, Angehörigen und der Bevölkerung selbstverständlich genutzt. Das Wohl des Kindes steht dabei konsequent im Mittelpunkt. In einer Kinder- und Jugendpsychiatrie erfuhren wir, wie eng die Unterstützung von Kindern mit der Begleitung ihrer Familien verknüpft wird. Eltern werden aktiv einbezogen, Herausforderungen werden im Zusammenhang des gesamten Familiensystems betrachtet und Hilfen möglichst abgestimmt angeboten.

Die ausgeprägte Kinderfreundlichkeit merkt man hier an jeder Ecke. 

Auch der Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Bereich der Sozialen Arbeit war für uns besonders wertvoll. Gemeinsam diskutierten wir die Frage, wie Kinder in Hilfeprozesse tatsächlich beteiligt werden können. Die Forschung zeigt: Selbst dort, wo Beteiligung ein erklärtes Ziel ist, erleben Kinder häufig noch nicht ausreichend, dass ihre Perspektiven gehört und berücksichtigt werden. Diese Erkenntnis hat uns erneut vor Augen geführt, wie wichtig eine konsequent kindgerechte Beteiligung ist.

Neben vielen positiven Eindrücken wurde auch deutlich, dass Finnland vor ähnlichen Herausforderungen steht wie andere Länder. Beim Besuch im Central Union for Child Welfare, vergleichbar mit der National Coalition in Deutschland (Netzwerk Kinderrechte), erfuhren wir von der systematisch aufgebauten Struktur des Landes – von flächendeckender Prävention bis Kinderschutz –, jedoch auch, dass die derzeit rechtspopulistische Regierung in Finnland 50 Prozent der Kosten in der Jugendhilfe einsparen will und derzeit alle Organisationen massiv unter Druck stehen. Nun verstanden wir auch, warum uns SOS Kinderdorf den Besuch leider absagte, da sie unter Hochdruck an Stellungnahmen und erheblichen Umstrukturierungsmaßnahmen arbeiteten, um mit den erheblichen Mittelkürzungen umzugehen. Geplante Kürzungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe setzen zahlreiche Organisationen unter Druck und zeigen, wie wichtig eine starke fachliche und politische Stimme für Kinderrechte bleibt.

Ich verspüre nach den vielen Monaten voller Arbeit und Anstrengung richtige Freude und innere Glücksgefühle aufgrund dieser tollen Reise und dieser interessanten Fachbesuche.

Besonders gefreut hat uns, dass aus dem fachlichen Austausch bereits neue Perspektiven für die Zusammenarbeit entstanden sind. Aktuell prüfen wir Möglichkeiten für internationale Praktika finnischer Studierender in Fröbel-Einrichtungen sowie weitere gemeinsame Projekte.

Neben den fachlichen Erkenntnissen bleibt uns auch die besondere Offenheit und Kinderfreundlichkeit des Landes in Erinnerung. Orte wie die Oodi-Bibliothek in Helsinki zeigen eindrucksvoll, wie öffentliche Räume gestaltet werden können, damit sich Menschen aller Generationen willkommen fühlen.

Wir kehren mit vielen neuen Ideen, wertvollen Kontakten und frischen Impulsen für unsere Arbeit zurück. Die Reise hat uns einmal mehr gezeigt, wie bereichernd der internationale Austausch sein kann – und wie viel wir voneinander lernen können. 

Fröbel ist für die Erasmus+ Förderperiode 2021-27 akkreditiert. Das Erasmus+ Programm ermöglicht Fröbel-Beschäftigten, sich mit Fachkräften innerhalb Europas auszutauschen, Neues zu lernen und die eigene Expertise weiterzugeben. Ganze Teams und einzelne Fachkräfte können in einer Kita in einem anderen Land hospitieren und freuen sich, andere Kulturen zu erleben. Fröbel steht im Gegenzug auch als Erasmus+ Partner für Besuche in Deutschland zur Verfügung.

www.froebel-gruppe.de/erasmus

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