Aktuelles 17. Dezember 2018 · HO

Menschen bei FRÖBEL

Als Fachberaterin ist Ulrike Rubruck Ansprechpartnerin für 18 Kindergärten und Familienzentren in der Region Köln-RheinBerg. Besonders wichtig ist ihr die Förderung kultureller Vielfalt und des interreligiösen Dialogs in den Häusern. Wie kann ein gutes Miteinander gelingen?

Ulrike Rubruck

Frau Rubruck, warum wurden Sie Fachberaterin? 

Ich bin eigentlich gelernte Erzieherin, habe aber insgesamt 15 Jahre als Leitung gearbeitet. Im Laufe meiner Leitungstätigkeit hatte ich die Möglichkeit, unterschiedliche Einrichtungs- und Trägerstrukturen kennen zu lernen. So kam ich auch mit der Arbeit und Struktur von Fachberatung in Berührung. Als "Vollblut-Pädagogin" war für mich dann schnell klar: Fachberatung mit pädagogischem Schwerpunkt ist mein Wunschberuf. Die Möglichkeit, diesen Wunsch zu verwirklichen, gab mir FRÖBEL. Durch eine Kooperation meiner damaligen Einrichtung mit dem benachbarten FRÖBEL-Familienzentrum ZAK entstand der Kontakt. Ich wurde buchstäblich abgeworben, und so übernahm ich 2010 bei FRÖBEL die Fachberatungsstelle für die rechtsrheinischen FRÖBEL-Kindergärten. Gemeinsam mit meiner Kollegin Petra Löbach konnte ich die Fachberatungsstruktur in der Region aufbauen und weiterentwickeln.
FRÖBEL steht für mich für Innovation. Unser Unternehmen ist einer ersten freien Träger gewesen, der bereits 2010 die Fachberatungsstruktur eingeführt hat und sich auch damit deutlich für die Weiterentwicklung der Qualität in Kindergärten positioniert hat. Für mich als Fachberaterin bedeutet dies, auf dem aktuellen Stand der Entwicklung zu sein, um die FRÖBEL-Kindergärten bestmöglich begleiten und beraten zu können.

Woran arbeiten Sie gerade besonders intensiv, wo liegen vielleicht auch die größten Herausforderungen?

Im Grunde umfasst meine Beratung alle Dimensionen der Qualitätsentwicklung. Dies betrifft alle Fragen rund um die pädagogische, strukturelle und organisatorische Arbeit der Kindergärten. Mein Fokus liegt besonders auf der Beratung der Leitung - Leitungen nehmen eine Schlüsselrolle in den Einrichtungen ein. Die veränderte Sichtweise auf die Leitung als Führungskraft bedeutet für mich als Fachberatung, den Leitungen Raum für inhaltliche Auseinandersetzung und kollegiale Beratung sowie Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Aktuelle Themen sind unter anderem die Transparente Kita, Ehrenamt, Reggio-inspirierte Arbeit und das Verständnis und die Etablierung der Einrichtung als Akteur im Sozialraum.
Selbstverständlich stehe ich auch mit den Teams der Einrichtungen im stetigen Austausch, zum Beispiel im Rahmen von Hospitationen und der Beratung in Bezug auf Kinder mit herausforderndem Verhalten. Die konkrete Unterstützung bei der Vorbereitung von Elterngesprächen nimmt heute zunehmend mehr Raum ein.
Darüber hinaus beschäftigt mich das Thema Familienzentren seit Jahren sehr. Mittlerweile habe ich elf FRÖBEL-Kindergärten bei der Zertifizierung zum "Familienzentrum NRW" begleiten können, weitere befinden sich aktuell im Zertifizierungsprozess.

Wie würden Sie die Einrichtungen beschreiben, die Sie betreuen? 

Unsere Einrichtungen liegen in Sozialräumen, die die multikulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft widerspiegeln. Eine kultursensible Haltung von Leitung und Team ist daher von zentraler Bedeutung. Ich unterstütze Leitungen und ihre Teams dabei, die Gemeinsamkeiten der vielen Kulturen in ihrer Einrichtung herauszuarbeiten, wichtige Aspekte im pädagogischen Alltag aufzugreifen, und zugleich natürlich auch unser regionales, religiöses und kulturelles Brauchtum zu pflegen. Die kulturelle und sprachliche Vielfalt in unseren Einrichtungen spiegelt sich sowohl in der Elternschaft als auch in den Teams wider, so dass wir über ein umfangreiches Wissen bezüglich kultureller Besonderheiten verfügen. Die Kunst besteht darin, Eltern und Teams sowie Eltern untereinander ins Gespräch zu bringen und sich über ein gelingendes Miteinander zu verständigen.

Gemeinsam mit Ihrem Geschäftsleiter haben Sie im vergangenen Jahr einen interreligiösen Arbeitskreis ins Leben gerufen. Was war der Anlass? 

Ja, unter der Federführung unseres Geschäftsleiters Werner Pieper und der Beteiligung von Leitungskräften haben wir 2017 einen Arbeitskreis ins Leben gerufen mit dem Ziel, den interkulturellen Dialog in den Einrichtungen zu verbessern. Ausgangssituation hierfür war, dass in manchen Einrichtungen aus der Tradition des früheren Trägers heraus - der katholischen Kirche - der Jahreskreislauf von christlichen Festen wie Weihnachten, Ostern, Verabschiedungen der Vorschulkinder mit Wortgottesdienst geprägt war. Zunächst haben wir den Austausch mit Fachkräften und Leitungen unterschiedlicher Religionen und Herkunft initiiert, um uns allgemein über das Thema, die gelebte Praxis in den Einrichtungen und die eigene Sozialisierung auszutauschen. Relativ schnell wurde deutlich klar, dass wir, um eine gemeinsame Haltung zu entwickeln, unbedingt Elternvertreter*innen einbeziehen müssen. Im September fand ein zweites Treffen mit Elternvertreter*innen statt, bei dem gemeinsame Ideen für eine gelingende interreligiöse Praxis in der Kita aussehen kann.

Die Vorweihnachtszeit ist besonders stark geprägt von christlichen Bräuchen. Wie können Kitas in dieser Zeit, aber auch über das Jahr alle Familien gut einbeziehen und ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln? 

In einigen Kitas wird die Bilderbuchreihe "Betül und Nele" genutzt, welche kindgerecht Inhalte und Bedeutung von Bräuchen und Festen vermittelt. Bräuche wie das Aufstellen eines Tannenbaumes und Adventskranzes, das Aufhängen eines Adventskalenders oder der Besuch des Nikolauses werden von einem muslimisch und einem christlich sozialisierten Kind gemeinsam zelebriert, ebenso wie der Ramadan und das Opferfest. So haben Familien nicht das Gefühl, dass bestimmte Feste einen exklusiven Status haben. Sommerfeste in den Kindergärten werden so gelegt, dass sie zum Ende des Ramadan stattfinden, damit alle Kinder und Familien gemeinsam feiern und essen können. In allen unseren Einrichtungen liegt der Interkulturelle Kalender aus, welcher Erläuterungen zu religiösen Festen enthält, um die Planung der Feste zu ermöglichen. Regelmäßige Vorlesetage mit Beteiligung von Eltern und Großeltern aus allen Kulturen und Religionen sind gängige Praxis.
Besonders erwähnen möchte ich den FRÖBEL-Kindergarten & Familienzentrum Tausendfüßler, welcher ganz selbstverständlich aus einer inneren Haltung heraus den Schwerpunkt "Interkulturelles Arbeiten" als ganzheitlichen Ansatz lebt. Ein Beispiel: Im August diesen Jahres haben Kinder der FRÖBEL-Kindergärten & Familienzentren Tausendfüßler und Wibbelstätz gemeinsam das Opferfest gefeiert. Beide Teams haben mit den Kindern zusammen gebacken und im Sinne des Festes das Gebäck mit Freund*innen geteilt. Natürlich wurde dabei auch die Bedeutung des Festes besprochen. 

Welche Möglichkeiten gibt es noch, interkulturelle Vielfalt in der Kita sichtbar zu machen und zu leben? 

Die verschiedenen Kulturen und Sprachen der Familien finden sich in unseren Einrichtungen auf unterschiedliche Weise wieder - in Familienbildern, Vorleseprojekten, Kursen zur Stärkung der Erziehungskompetenz, Eltern-Cafés, Teestuben oder dem KulturenCafé. In einem Familienzentrum bietet eine türkisch sprechende Trainerin einen Fitnesskurs an und unsere türkisch- und arabischsprechenden Fachkräfte unterstützen bei Elternabenden und Entwicklungsgesprächen - und dies einrichtungsübergreifend. Ich bin ganz begeistert davon, wie gut unsere Kindergärten und Familienzentren miteinander vernetzt sind und sich gegenseitig unterstützen.

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