Bildung für nachhaltige Entwicklung 10. August 2026 · AL

Staunen, lernen, selber machen: Das Bienenprojekt im Fröbel-Kindergarten Spielhaus

Gemeinsam mit Berufsimker und Bienenpädagoge André Soudah entdecken die Kinder die Welt der Honigbienen aus nächster Nähe.

In den Leipziger Fröbel-Kindergärten entdecken die Kinder gemeinsam mit Berufsimker und Bienenpädagoge André Soudah die faszinierende Welt der Bienen – und lernen dabei, Ängste zu überwinden und selbstbewusst Verantwortung zu übernehmen. Das Bild ist im Fröbel-Kindergarten Fröbelchen entstanden.

Wenn die Kinder im Fröbel-Kindergarten Spielhaus gefragt werden, worauf sie sich besonders freuen, fällt oft ein Name: „Kommt Bienen-André heute wieder?“ Unter einem schattigen Baum, geschützt durch eine Hecke, steht seit zwei Jahren eine Bienenbeute (Bienenstock) direkt auf dem Gelände des Fröbel-Kindergartens. Was zunächst für manche Eltern überraschend klang, ist heute ein echtes Aushängeschild der Einrichtung. Kinder erleben dort unmittelbar, wie ein Bienenvolk lebt, welche Aufgaben Arbeiterinnen, Drohnen und Königin übernehmen und warum Honig- und Wildbienen für unsere Umwelt unverzichtbar sind. 

Von einer Idee zum festen Bildungsangebot

Die Wurzeln des Projekts reichen einige Jahre zurück. Damals besuchten die Kindergartenkinder gemeinsam mit ihren pädagogischen Fachkräften eine Hobbyimkerin und verbrachten einen Vormittag bei ihren Bienenvölkern. Die Begeisterung der Kinder war so groß, dass schnell der Wunsch aufkam, Kindern diese Erfahrungen regelmäßig zu ermöglichen.

Aus regelmäßigen Besuchen bei der Hobbyimkerin entwickelte sich nach und nach ein dauerhaftes Bildungsangebot. Die Kinder besuchten die Bienenvölker vor Ort und lernten dabei viel über Honigbienen, Bestäubung und Natur. Als die Imkerin jedoch wegzog, stand das Projekt plötzlich vor einer Herausforderung: Wer würde die Arbeit mit den Kindern fortführen?

Die Lösung kam mit André Soudah, Berufsimker und Bienenpädagoge. Ein speziell ausgebildeter BNE-Berufsimker, der im Gegensatz zu Hobbyimkern, vor allem auf die Vermittlung von Wissen an Kinder spezialisiert ist. Seitdem begleitet er die Kinder des Spielhauses und mehrerer Leipziger Fröbel-Einrichtungen auf ihren Entdeckungsreisen in die Welt der Insekten.

Spielerisch lernen statt Honigmaximierung

André Soudah versteht sich nicht nur als Berufsimker, sondern vor allem als Bienenpädagoge. „Beim Bienenpädagogen steht nicht die Honigernte im Mittelpunkt, sondern der Lerneffekt“, erklärt er. Ziel ist es, Kindern die Bedeutung von Bienen und anderen Insekten nahezubringen, Ängste abzubauen und Selbstwirksamkeit zu fördern.

Alle zwei Wochen trifft sich im Spielhaus eine Gruppe von etwa zehn Kindern zum Bienenkurs. Bevor es an den Bienenstock geht, wird zunächst altersgerecht Wissen vermittelt. Mit Bildkarten, Modellen, Bewegungsspielen und viel Humor lernen die Kinder die Bewohnerinnen eines Bienenstocks kennen.

Anschließend geht es zu den echten Bienen. Im Sommer schlüpfen die Kinder in altersgerechte Imkeranzüge, öffnen gemeinsam die Beute und dürfen sogar selbst den Smoker bedienen, dessen Rauch die Bienen beruhigt und ein entspanntes Arbeiten am Bienenstock ermöglicht. Im Winter wird gemalt, gebastelt, mit Holz gearbeitet und beobachtet. So bleibt das Thema das ganze Jahr über präsent und ein ganzheitliches Bild der Imkerei vermittelt. 

Besonders eindrucksvoll sind die Momente, in denen Kinder über sich hinauswachsen und ihre anfängliche Angst überwinden, berichtet André Soudah im Gespräch. Ich sage dann zu dem Kind: „Du musst nicht gleich mitkommen. Du kannst erst einmal aus der Ferne schauen“. Ohne Druck und in ihrem eigenen Tempo fassen viele Kinder nach und nach Vertrauen. Aus vorsichtiger Neugier wird Selbstvertrauen. Kinder, die anfangs großen Respekt vor den Bienen hatten, treten später ganz selbstverständlich an die Waben heran – und halten sie schließlich sogar selbst in den Händen.

Mandy Pohl: Vom Interesse zur Ausbildung

Eine, die diese Entwicklung von Anfang an begleitet hat, ist Mandy Pohl. Die pädagogische Fachkraft aus dem Spielhaus war von Beginn an fasziniert von dem Projekt und den Lernmöglichkeiten, die es den Kindern eröffnet. „Mich hat vor allem begeistert, wie die Kinder an den Bienen wachsen“, sagt sie.

Deshalb entstand der Wunsch, das Projekt langfristig auf eigene Beine zu stellen. Die Kitaleitung unterstützte die Idee und schlug Mandy vor, eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren. Seit April 2026 nimmt Mandy an einem speziell für pädagogische Fachkräfte entwickelten Imkerlehrgang bei André Soudah teil. Bis November stehen zehn Ausbildungstermine auf dem Programm. Dort lernt sie alles, was notwendig ist, um ein Bienenvolk fachgerecht zu betreuen und gleichzeitig Bildungsangebote für Kinder zu gestalten. Das Ziel ist klar: Bis zum Sommer 2027 soll Mandy die Betreuung der Bienenvölker eigenständig übernehmen können. Die Kosten für die Weiterbildung werden dabei vollständig von Fröbel übernommen.

Staunen, lernen, Verantwortung übernehmen

Das Bienenprojekt verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Die Kinder lernen nicht nur etwas über Honigbienen, sondern entwickeln ein Verständnis für Natur, Artenvielfalt und ökologische Zusammenhänge. Für die Kinder gehören die Bienen längst zum Kita-Alltag. „Der Stolz der Kinder berührt mich immer wieder“, erzählt Mandy Pohl. „Wenn sie etwas über die Bienen gelernt haben oder sich überwunden haben, näher heranzugehen, merkt man sofort, wie sehr sie an Selbstvertrauen gewinnen."

Auch die Eltern, die anfangs teilweise Bedenken äußerten, sind inzwischen überzeugt. Durch intensive Gespräche, Elternabende mit Bienen-André und die geschützte Platzierung der Bienenstöcke konnten viele Sorgen ausgeräumt werden. Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Immer wieder berichten Eltern, dass ihre Kinder noch am Abend begeistert von den Erlebnissen erzählen und die Eindrücke lange nachwirken.

Dabei steht das Tierwohl immer im Mittelpunkt. Die Imkerei erfolgt wesensgemäß und respektvoll. Ein Teil des Honigs bleibt bewusst bei den Bienen. Der geerntete Honig wird unter anderem beim Sommerfest verkauft. Die Kinder, die aktiv am Projekt teilnehmen, erhalten als besondere Erinnerung ihr eigenes kleines Glas Honig.

Inzwischen interessieren sich auch andere Einrichtungen für das Konzept. Sogar Kolleginnen und Kollegen aus Fröbel-Kitas in anderen Städten haben das Spielhaus bereits besucht, um sich Anregungen für die eigene Arbeit zu holen.

Ein Projekt mit Zukunft

Für Mandy Pohl ist das die schönste Bestätigung. Ihr Rat an andere pädagogische Fachkräfte lautet deshalb:

„Einfach ausprobieren. Es ist ein unglaublich schönes Projekt. Die Kinder lernen nicht nur etwas über Bienen, sondern entwickeln Konzentration, Geduld und Selbstvertrauen. Wir erleben zusammen so viele Wow-Momente. Man erlebt immer wieder, wie viel Begeisterung in ihnen steckt. Mit Bienen-André steht zudem ein pädagogisch versierter Partner zur Verfügung, der uns mit viel Ruhe und Kompetenz bei unserem Vorhaben begleitet. "

Und genau diese Begeisterung soll auch in Zukunft weiter auf dem Außengelände des Spielhauses summen. 

Mehr über das Bienenprojekt

Derzeit begleitet André Soudah die Fröbel-Kitas in Leipzig. Sein Ziel ist es, das Projekt weiter auszubauen und auch anderen Einrichtungen den Zugang zur Welt der Bienen zu ermöglichen. Denn schon kleine Begegnungen können die Grundlage für ein nachhaltiges Verständnis von Natur und Artenvielfalt schaffen.

Kontakt: www.bienenandre