Aktuelles 02. Mai 2026

Austausch für mehr Vielfalt

Im Rahmen des Frühjahrstreffens des Fröbel-Beirats kam erstmals der neue Fröbel-Beirat für kultursensible Pädagogik zum Austausch nach Berlin. Am zweiten Sitzungstag war Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch zu Gast.

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch diskutierte mit dem Fröbel Beirat zum Thema Sprachbildungsstrategie. (Foto: SenBJF)
Der Fröbel-Beirat für kultursensible Pädagogik traf sich erstmals in Präsenz.

In der Fröbel Akademie in Berlin trafen erstmals der neu gegründete Beirat für kultursensible Pädagogik mit dem Fröbel-Beirat zusammen. Das Treffen war ein wichtiger Schritt, um das neue Gremium in die bestehenden Strukturen der Fröbel-Gruppe einzubinden und seine Rolle im organisationsweiten Austausch zu schärfen.

Stimmen, die gehört werden sollen

Im Mittelpunkt der Sitzung stand ein intensiver Austausch über die Zielsetzung und die konkreten Aufgaben des Beirats für kultursensible Pädagogik. Das Gremium wurde ins Leben gerufen, um vielfältige Perspektiven gezielt einzubinden, Barrieren abzubauen und die Zugänglichkeit der Fröbel-Einrichtungen für alle Familien weiter zu verbessern. Kolleginnen und Kollegen mit eigener Migrations- oder nicht-deutscher Herkunftsgeschichte bringen dabei ihre Erfahrungen ein und stärken Themen, die bislang in Austausch- und Beratungskontexten unterrepräsentiert waren.

„Wir haben nicht das Gefühl, bei Fröbel Fremde zu sein.“ Samaneh Parsay, Vorsitzende des Beirats für kultursensible Pädagogik

Der Beirat versteht sich als Impulsgeber und Beratungsgremium für die Geschäftsführung sowie für weitere Bereiche innerhalb von Fröbel. Gleichzeitig übernimmt er die Funktion eines Sounding Boards für Projekte und Aktivitäten und wirkt an der Entwicklung von Fortbildungs- und Qualifizierungsformaten mit.

Fragestellungen für die Praxis

Die Diskussion zeigte, wie breit das Themenspektrum ist, mit dem sich der neue Beirat künftig befassen wird. Im Fokus stehen unter anderem Fragen der Willkommenskultur und gelingenden Integration in den Regionen, in denen Fröbel tätig ist. Dabei geht es auch um die Rolle der Kita als Begegnungsstätte und als Ort, an dem gesellschaftliche Teilhabe aktiv gestaltet wird.

Weitere Themen sind Beispiele für aufsuchende Elternarbeit, die Ansprache von Familien über analoge und digitale Netzwerke sowie die Frage, wie unterschiedliche Communities besser erreicht werden können. Kontakte zu migrantischen Selbstorganisationen, bewährte Plattformen und Kommunikationswege spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Sichtbarkeit in digitalen Räumen.

Auch die Bedeutung von „Brückenbauerinnen“ in den Einrichtungen wurde hervorgehoben – Fachkräfte, die durch Mehrsprachigkeit, kulturelle Kompetenz oder persönliche Erfahrungen Zugänge erleichtern und Vertrauen schaffen. Ergänzend wurden mögliche Kooperationspartnerinnen und -partner vor Ort sowie strukturelle Fragen diskutiert, etwa wie Zugänge für Familien weiter erleichtert werden können.

Vielfalt als Auftrag und Chance

In der Diskussion wurde deutlich, dass Fröbel der Thematik Diversität bewusst Raum gibt – auch durch die Einrichtung des neuen Beirats. Fachliche Fragestellungen wie eine diskriminierungsfreie Sprachstanderfassung, beispielsweise mit BASIK, oder der Umgang mit Mehrsprachigkeit in den Einrichtungen wurden dabei als wichtige Entwicklungsthemen benannt.

„Was mir besonders wichtig ist: Dieser Beirat ist kein Symbol. Er berät die Geschäftsführung konkret – zu Zugänglichkeit, vorurteilsbewusster Praxis und Qualifizierung unserer Fachkräfte. Und er tut das aus einer Perspektive, die in vielen Führungsgremien fehlt: aus eigener Erfahrung“, erläutert Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker.

Das erste gemeinsame Treffen mit dem bestehenden Fröbel-Beirat hat gezeigt, wie wichtig es ist, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und voneinander zu lernen. Der Beirat für kultursensible Pädagogik wird diese Impulse nun weiter ausarbeiten und in die Organisation tragen – mit dem Ziel, Vielfalt als Stärke sichtbar zu machen und die Teilhabe aller Familien weiter zu verbessern.

Mit Daten sprechen: Sprachbildungsstrategie bei Fröbel

Der zweite Tag des Beiratstreffens war dem zentralen Thema gewidmet, das Fröbel derzeit fachlich und politisch vorantreibt: die frühe sprachliche Bildung als Schlüssel zum Erfolg in der gesamten Bildungskette.

Berlins Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch war zum fachlichen Austausch über die Sprachbildungsstrategie von Fröbel geladen. Seit einem Jahr werden bei Fröbel sprachliche Kompetenzen aller Kinder ab dem zweiten Geburtstag mit dem Sprachbeobachtungstool BaSiK digital, datenschutzkonform und systematisch erfasst. Mit über 17.000 Beobachtungen pro Kita-Jahr entsteht so eine starke Grundlage für datenbasierte Entscheidungen für eine gezielte Förderung – von der Einrichtung bis zur Trägerebene.

„Wie Fröbel begrüße ich, dass die große Bedeutung von Sprachbildung jetzt auch bundespolitisch klar erkannt wurde. Gemeinsam mit den anderen Ländern dränge ich auf ausreichende Finanzierung für echte Qualitätsentwicklung. Bundesweit einheitliche Verfahren können helfen, Qualität und Gerechtigkeit zu sichern – sie müssen aber flexibel, alltagstauglich und sensibel für Vielfalt gestaltet werden“, so Günther-Wünsch.

Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker, Elisa Steinfeldt, Martin Böhme, Annegret Kieschnik und Nele Hage aus dem Fröbel-Team gaben der Senatorin einen ausführlichen Einblick in die Potenziale der übergeordneten Datenauswertung: Analysen aus allen Fröbel-Einrichtungen in Berlin und weiteren Bundesländern zeigen, in welchen sprachlichen Bereichen und in welchen Sozialräumen Kinder besonders häufig Förderbedarf haben. Die Daten bilden eine wichtige Grundlage, um Ressourcen gezielt einzusetzen. 

Stefan Spieker betonte die Bedeutung früher und kontinuierlicher Beobachtung:

„Gute Sprachbildung beginnt nicht erst kurz vor der Einschulung. Wenn wir Sprachentwicklung früh und systematisch im Kita-Alltag begleiten, schaffen wir die Voraussetzung dafür, dass alle Kinder beim Schuleintritt teilhabefähig sind. Ein Werkzeug wie BaSiK hilft unseren Fachkräften, genau hinzusehen und Förderung dort anzusetzen, wo sie gebraucht wird.“

Gemeinsam mit Akteuren aus der Wissenschaft und anderen Trägerorganisationen arbeitet Fröbel daran, die gesetzlichen Grundlagen für eine deutschlandweit einheitliche Sprachbildungsstrategie in der frühen Bildung zu schaffen. Dazu gehören zahlreiche Dialogveranstaltungen mit der Politik – wie das aktuelle Treffen mit dem Fröbel-Beirat.