Aktuelles · Politik und Gesellschaft 05. April 2022 · jmei

"Ein fröhliches Miteinander bei hoher Professionalität"

Im kommenden Jahr wird FRÖBEL die erste Kita in Grevenbroich (NRW) eröffnen - welche Erwartungen hat die Kommune an FRÖBEL als neuen Partner in der Kindertagesbetreuung? Wir sprachen mit Paul Janus, Leiter des Fachbereichs Jugend.

Paul Janus, Leiter des Fachbereichs Jugend in Grevenbroich (Foto: privat)

2023 wird der erste FRÖBEL-Kindergarten in Grevenbroich seine Türen für Kinder und ihre Familien öffnen. Damit ist FRÖBEL einer von dann insgesamt sieben freien Trägern vor Ort – ergänzend zu den Einrichtungen der Kommune. Wie es zu der Entscheidung für FRÖBEL als Träger kam, berichtet im Interview Paul Janus. Er leitet den Fachbereich Jugend der Stadt Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen.

Herr Janus, neben kommunalen Kindertageseinrichtungen schafft die Stadt Grevenbroich dringend benötigte Kitaplätze durch Kooperationen mit freien und kirchlichen Trägern. Welche grundsätzlichen Vorteile bringt eine Trägervielfalt einer Kommune?

Bildung ist ein wichtiger Schlüssel für eine erfüllende und erfolgreiche Lebensbiografie. In NRW bildet der Leitfaden zu den 10 Bildungsgrundsätzen den Rahmen für die tägliche Arbeit in Kindertageseinrichtungen. Er vermittelt pädagogische Grundlagen zum Bild vom Kind, zum Verständnis von Bildung sowie Ziele für die Bildung, Erziehung und Betreuung in den ersten Lebensjahren.
Innerhalb dieses Rahmens führt die Vielfalt der Trägerlandschaft zur Vermittlung unterschiedlicher Werte. Sie ist geprägt von unterschiedlichen Inhalten, Methoden und Arbeitsformen. Auf diese Weise ist es Eltern möglich, aus zahlreichen Angeboten, die sich in Bezug auf Rahmenbedingungen und pädagogische Ausrichtung unterscheiden, das für sie und ihr Kind Passende zu wählen. Der Grundsatz der Trägervielfalt ist in § 3 Abs. 1 SGB VIII verankert.

FRÖBEL betreibt seit vielen Jahren Kindertageseinrichtungen und Familienzentren in NRW - in Grevenbroich bisher noch keine. Warum hat sich Ihre Kommune für FRÖBEL entschieden, was war ausschlaggebend?

Der positive Eindruck der ersten Kontakte zwischen den handelnden Personen auf den Entscheidungsebenen hat sich bei den Besuchen in den einzelnen FRÖBEL-Kindergärten bestätigt. In den Einrichtungen herrschte eine positive und lebendige Grundstimmung; das Konzept der Einrichtungen war in jeder Kita klar zu erkennen. Neben den einheitlich festgeschriebenen Strukturen des Trägers war auch eine individuelle Gestaltung des pädagogischen Alltag - geprägt vom Umfeld der Einrichtung und den vor Ort tätigen Kräften - wahrzunehmen. Insgesamt spiegelten die Einrichtungen einen Ort des fröhlichen Miteinanders bei hoher Professionalität wider. Die Stadt Grevenbroich ist überzeugt, dass die Kita von FRÖBEL die Kita-Landschaft - auch in Bezug auf die Trägervielfalt - bereichert.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit für Sie und die Stadt beim Kitaausbau?

Die Berücksichtigung nachhaltigen Arbeitens im Betrieb einer Kindertageseinrichtung beginnt schon in der Planungs- und Bauphase. Hier werden wir zukünftig noch enger, als dies bislang möglich war, mit den Bauträgern zusammenarbeiten, um diesen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen.
Für den eigentlichen Betrieb gilt, dass Nachhaltigkeit auch eine Haltung voraussetzt, dies im Alltäglichen auch leben zu wollen. Dies habe ich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei FRÖBEL gesehen. Ich bin überzeugt, dass sich diese Haltung auch in unserer Einrichtung widerspiegeln wird.

Gute frühkindliche Bildung ist für Kommunen nur mit finanzieller Unterstützung möglich. Sind die Mittel aus der Landesförderung ausreichend, um nachhaltige Kitas zu bauen?

Lassen Sie es mich an einer Beispielrechnung darstellen: Die landesseitige Förderung eines Ü6-Kita-Platzes bei einem Kita-Neubau beträgt maximal 33.000 Euro, abzüglich des Trägeranteils von 10 Prozent bleiben immerhin 29.700 Euro übrig. Der Neubau einer fünfgruppigen Kita kostet etwa 3.400.000 Euro, es werden 100 Betreuungsplätze für Kinder im Alter von einem Jahr bis zur Einschuldung geschaffen. Die Kommune kann in der Theorie eine maximale Fördersumme von 2.970.000 Euro einplanen. Das Defizit von 430.000 Euro lässt eine ausreichende - kostendeckende - Finanzierung nicht zu. Die restliche Summe muss die Stadt selbst aufbringen.

Welche Chancen sehen Sie in einem starken Netzwerk von Kita und Kommune in Bezug auf die Themen Demokratiebildung, Partizipation und Nachhaltigkeit?

Das Thema Partizipation steht schon lange im zentralen Fokus der pädagogischen Konzeptionen unserer 16 städtischen Kindertageseinrichtungen. Eine demokratische, wertschätzende Grundhaltung und der Wille zum partizipativen Miteinander sind hier eine Selbstverständlichkeit. Auch in der trägerübergreifenden Arbeit leben wir aktive Elemente der Partizipation, treffen gemeinsame Entscheidungen, tragen Informationen untereinander weiter und unterstützen uns gegenseitig, um ein gelingendes Betreuungssystem zu erhalten.

FRÖBEL versteht sich nicht nur als Bereiber von Kitas, sondern auch als Akteur im Stadtteil. Wir wollen einen Mehrwert für die Menschen bieten, auch über die Kita hinaus. Welche Erwartungen haben Sie an FRÖBEL für eine erfolgreiche Zusammenarbeit? 

Ich habe mich in der Vergangenheit mehrfach von der guten pädagogischen Arbeit der FRÖBEL-Einrichtungen überzeugen können. Darüber hinaus kann die aktuelle Zusammenarbeit (bezogen auf den Kita-Neubau) als gewinnbringend und störungsfrei beurteilt werden. Ich habe daher keine Erwartung, sondern bin überzeugt, dass FRÖBEL die gute Arbeit auch in Grevenbroich fortsetzt. Die aktuell größte Herausforderung für einen Träger ist der Fachkräftemangel. Ich wünsche FRÖBEL, den Kindern und ihren Familien, dass zur Sicherstellung einer vollumfänglichen Betreuung jederzeit ausreichend Personal da ist.

Wir freuen uns sehr auf die Zusammenarbeit mit Ihnen und danken für das Gespräch!


Das Gespräch führte Johanna Meinikat.

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