Politik und Gesellschaft · Sprach- & Leseförderung 08. Juni 2026 · BW

Gute Sprachförderung: NRW sucht die Lösung am falschen Ort

Die politische Debatte um bessere Sprachkompetenzen zur Einschulung ging heute in die nächste Runde. Wir waren mit dabei und zeigten unseren Weg.

Erneut im NRW-Landtag zur Gast: Einmal mehr betonte Stefan Spieker heute den Wert früher und datenbasierter Sprachbildung. Quelle: Landtag NRW/Bernd Schälte
Der Sprachstand verändert sich: Die Grafik veranschaulicht die dynamische Entwicklung des Sprachstands von 870 Fröbel-Kindern in NRW zwischen zwei Beobachtungszeitpunkten. Sie zeigt, wie viele Kinder aus dem Förderbereich herauswachsen und wie viele neu hinzukommen. Besonders hervorzuheben ist, dass 38 % der zuvor als „auffällig“ eingestuften Kinder den Förderbereich verlassen haben. Quelle: Fröbel e.V.

Nach den von Expertinnen und Experten durchweg abgelehnten ABC-Klassen der Landesregierung reagiert die FDP-Fraktion im NRW-Landtag mit einem Schulfähigkeitsjahr auf die hohen Defizite vieler Kinder bei Schuleintritt. Ein solcher Antrag wurde heute im Familienausschuss beraten. Als bundesweit größter freier Träger und Teil des Kita-Bündnisses NRW lehnt Fröbel beide Ansätze entschieden ab und verweist zugleich auf einen nachweislich wirksamen Weg: eine systematische, alltagsintegrierte und datenbasierte Sprachbildung in der Kita. 

Mehr als jedes dritte Kind in NRW startet mit sprachlichen Auffälligkeiten in die Schule. „Statt diesem massiven Problem wirksam zu begegnen, sucht der Landtag Lösungen am falschen Ort“, bekräftigte Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker, der als Sachverständiger Stellungnahmen zu beiden vorliegenden Ansätzen Stellungnahmen eingebracht hat: 

Die Idee eines „Schulfähigkeitsjahres“ sei systemisch falsch, setze viel zu spät an und greife zu kurz – genauso wie die ABC-Klassen. Entscheidend sei vielmehr die Frage, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort frühe Sprachbildung und -förderung am wirksamsten sei. „Genau darauf haben wir bei Fröbel inzwischen eine datenbasierte Antwort: in der Kita.“ 

Größter Datensatz zur frühkindlichen Sprachentwicklung in Deutschland

Fröbel beobachtet die Sprachentwicklung von jährlich rund 17.000 Kindern systematisch mit dem wissenschaftlich fundierten Verfahren BaSiK. Die Beobachtung erfolgt alltagsintegriert im pädagogischen Alltag und ohne zusätzliche Testbelastung für Kinder und Familien. Aus den Daten von über 250 Kitas ist innerhalb von zwei Jahren der größte Datensatz zur frühkindlichen Sprachentwicklung in Deutschland entstanden. Allein für die 90 Fröbel-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen liegen valide Informationen über tatsächliche Förderbedarfe vor.

Unsere Ergebnisse zeigen: 

  • Frühzeitige Förderung wirkt! 
  • 38 Prozent unserer Kita-Kinder in NRW wechseln innerhalb des Beobachtungszeitraums von einem auffälligen zu einem unauffälligen Sprachbefund. 
  • Besonders stark profitieren Kinder mit Deutsch als Zweitsprache.

Für Fröbel folgt daraus auch eine klare Erwartung an die Kitas: Wenn die Kita bei der Sprachbildung federführend sein will, dann muss sie auch liefern. Es reicht nicht, zusätzliche Ressourcen zu fordern. Kitas müssen auch nachweisen können, dass Sprachförderung wirksam umgesetzt wird. Dafür braucht es verbindliche Verfahren, qualifizierte Fachkräfte und eine systematische Nutzung von Daten. Genau diesen Weg gehen wir bei Fröbel bereits und leisten unseren Beitrag für mehr Chancengerechtigkeit.