Aktuelles · Politik und Gesellschaft 20. September 2021 · HO

"Kinder sind keine kleinen Erwachsenen"

Warum ist es so wichtig, die Kinderrechte endlich im Grundgesetz zu verankern? Lesen Sie zum heutigen Weltkindertag unser Interview mit einer Frau, der das Projekt besonders am Herzen liegt: Bundesjustiz- und Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht.

Christine Lambrecht, Bundesministerin für Justiz, und seit Sommer 2021 auch Chefin des Bundesfamilienministeriums (Foto: Thomas Köhler / photothek)

"Die Welt gehört in Kinderhände" – so titelte DIE ZEIT im Januar 2020 ein Gespräch mit Ihnen über den Vorstoß, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Was ist Ihnen daran besonders wichtig?

Kinder sind eben nicht einfach kleine Erwachsene. Sie haben besondere Bedürfnisse und verdienen besonderen Schutz durch den Staat und die Gesellschaft. Mir ist es als Bundesfamilien- und Bundesjustizministerin wichtig, dass dies auch im Grundgesetz – unserer Werteordnung – abgebildet wird. Es geht vor allem darum, die besondere Situation von Kindern sichtbarer zu machen und bei allen Entscheidungen mitzudenken.

Was gewinnen wir Erwachsenen, wenn wir Kinder stärker beteiligen?

Kinder sind unsere Zukunft und das Kostbarste, was wir haben. Wenn wir ihre Sichtweise und ihre Interessen stärker im Blick haben, dann gewinnen wir als Gesellschaft insgesamt. Gerade erst hat uns das Bundesverfassungsgericht ins Stammbuch geschrieben, dass wir die Interessen künftiger Generationen bei unserer Politik stärker berücksichtigen müssen. Das sollte unsere Richtschnur sein.

Sind Kinder durch das Grundgesetz in der jetzigen Fassung denn nicht ausreichend geschützt, beteiligt und können mitbestimmen?

Es gibt zumindest Verbesserungsbedarf. Die Rechte der Kinder würden durch die Verankerung im Grundgesetz einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Das hätte konkrete Auswirkungen und würde das Bewusstsein für ihre Bedeutung schärfen. Eine Grundgesetzänderung würde ein klares Signal an alle staatlichen Ebenen senden: Leute, passt auf bei all euren Entscheidungen, berücksichtigt, was die Kinder euch zu sagen haben!

Die Kinderrechte kommen vorerst nicht ins Grundgesetz. Sie hatten sich mit ihrem Ministerium stark für einen Kompromiss eingesetzt. Ist die "historische Chance", wie sie es nannten, vertan oder wird es einen neuen Versuch geben? Was kann die kommende Regierung besser machen?

Wir diskutieren bereits seit über 30 Jahren über die Aufnahme von Kinderrechten ins Grundgesetz. So nah wie jetzt sind wir einer Grundgesetzänderung noch nie gewesen. Ich bedauere zutiefst, dass es bei der Union und den Grünen am Willen zu einem Kompromiss gefehlt hat. Beide haben auf ihren Positionen beharrt. Auch in Zukunft wird für eine Grundgesetzänderung eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und Bundesrat erforderlich sein. Mit Maximalforderungen wird man diese Mehrheiten sicher nicht erreichen können.

Sie treten bei der bevorstehenden Wahl nicht mehr für den Bundestag an. Werden Sie sich weiter für die Rechte der Kinder einsetzen?

Selbstverständlich. Aber erst einmal werde ich mich bis zum allerletzten Tag meiner Amtszeit als Bundesfamilienministerin mit aller Kraft für die Interessen der Kinder stark machen. Aktuell geht es beispielsweise darum, die Folgen der Corona-Pandemie für Kinder und Jugendliche so gut wie möglich abzufedern. Kinder und Jugendliche haben in der Pandemie besonders viel mitgemacht. Deshalb haben wir das zwei Milliarden Euro schwere "Corona-Aufholpaket" auf den Weg gebracht. Das muss jetzt umgesetzt werden. Mit diesem Geld sollen Kinder auch jenseits vom reinen Lernen Möglichkeiten erhalten, mit anderen in Kontakt zu kommen, Sport- und Freizeitangebote wahrzunehmen oder einfach unbeschwerte Ferientage zu verbringen. Sie haben es sich verdient!
 

Christine Lambrecht (59, SPD) ist Juristin und seit 2019 Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. Seit Mai 2021 ist sie auch Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Das Interview erschien zuerst im FRÖBEL-Magazin KINDgerecht (Ausgabe 2/2021). Die KINDgerecht können Sie kostenfrei abonnieren: www.froebel-gruppe.de/kindgerecht

Keyvisual Weltkindertag 2021 (Copyright: Unicef)

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Unter dem Motto Kinderrechte jetzt! feiern weltweit Kinder heute ihren Tag – und nutzen diesen Anlass, um auf die Lage von Kindern weltweit aufmerksam zu machen, unter anderem mit Straßenmalbildern und Aktionen im öffentlichen Raum:

www.unicef.de/weltkindertag 

Mit unserem Jahresmotto Die Welt gehört in Kinderhände setzen wir bei FRÖBEL einen besonderen Fokus auf die Rechte von Kindern. Deshalb werden Sie heute und in den nächsten Tagen FRÖBEL-Kinder, die kreativ auf ihre Rechte aufmerksam machen, im öffentlichen Raum treffen.

Mit der Schablone "Weltkugel in Kinderhänden" zum Ausschneiden können Sie das Motto bildlich und kreativ sichtbar machen und Wahlkandidat*innen sowie Lokalpolitiker*innen dazu auffordern, die Wünsche und die Perspektive der Kinder stärker in den Blick zu nehmen. Um auf Social Media auf den Weltkindertag aufmerksam zu machen, posten wir Fotos von den Aktionen mit den Hashtags #wiestarkwäredasdenn und #dieweltgehörtinkinderhände.

Schablone "Weltkugel in Kinderhänden" zum Ausschneiden (Download als PDF)

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Die frühe Bildung kann ein echter Motor für mehr Nachhaltigkeit sein: für Demokratiebildung, Inklusion, gesellschaftliche Teilhabe, Chancengerechtigkeit und natürlich auch für den Klimaschutz. Was Kitas auf diesem Feld alles leisten können und wie Kommunen und Politik sie dabei unterstützen können, zeigen wir in der zweiten Ausgabe von KINDgerecht, unserem Magazin für frühkindliche Bildung.

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