25. November 2025 · BW

Mehrsprachigkeit als Motor

Beim NRW-Fachtag Mehrsprachigkeit in Köln kamen pädagogische Fachkräfte aus vielen Fröbel-Kitas zusammen, um sich über alltagsintegrierte Sprachbildung in einer multilingualen Lebenswelt auszutauschen.

Familienstaatssekretär Lorenz Bahr (2. V. l. mit Stefan Spieker und den beiden Fröbel-Geschäftsleitungen Rebecca Hinkelmann (l.) und Sabrina Ewinger, die diesen NRW-Fachtag organisiert haben. Fotos: Fröbel e. V.

NRW-Familienstaatsekretär Lorenz Bahr eröffnete den Fachtag und setzte gleich zu Beginn eine klare Botschaft: „Sprache ist der Schlüssel zu Bildung, gesellschaftlicher Teilhabe und Integration. Wir setzen bewusst auf alltagsintegrierte Sprachbildung in Kitas, um alle Kinder zu erreichen. Dabei geht es nicht nur um die Förderung der deutschen Sprache, sondern auch um die aktive Einbindung von Mehrsprachigkeit.“ Daran knüpfte Fröbel-Geschäftsführer Stefan Spieker direkt an und betonte, dass gute Sprachbildung der Schlüssel für eine gelingende Bildungsbiografie sei – unabhängig von Herkunftssprache und sozialem Umfeld: „Wir wollen alle Kinder vom ersten Kita-Tag an in die Lage versetzen, sicher in die Schule zu starten“.

Auf die Haltung kommt es an

In ihrem fachlichen Impuls zeigte Ilka Maserkopf vom Paritätischen Wohlfahrtsverband, dass Mehrsprachigkeit in Kitas längst Realität und eine wertvolle Ressource sei: „Gute Sprachbildung beginnt mit einer sprachförderlichen Grundhaltung, der Wertschätzung aller Sprachen und Kulturen und einem offenen Blick auf die individuellen Sprachwege der Kinder.“ Sie hob hervor:

  • Mehrsprachigkeit ist weltweit die Norm (70 % der Weltbevölkerung) und auch im Kita-Kontext allgegenwärtig.
  • Sprachen sind Bindungs- und Lernmittel, keine Barrieren.
  • Raumgestaltung, Rituale, mehrsprachige Materialien, Elternkooperation und Translanguaging-Praktiken schaffen alltagsintegrierte Zugänge.
  • Mythen wie „Kinder müssen erst Deutsch lernen, bevor andere Sprachen sinnvoll sind“ widerlegt die Forschung klar.

Damit war der fachliche Boden für den zweiten großen Schwerpunkt des Tages geschaffen: Erziehungswissenschaftlerin Prof. Dr. Julie A. Panagiotopoulou von der Universität zu Köln stellte die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Familiensprachen von Kindern und Fachkräften im pädagogischen Alltag mehrsprachiger Fröbel-Kitas“ vor und betonte:

1. Sprachvielfalt ist gelebte Realität: Kinder und Fachkräfte handeln im Alltag häufig mehrsprachig. Ein Konzept, das dies systematisch einbezieht, schafft zusätzliche Lern- und Kommunikationsräume.

2. Familiensprachen stärken Bindung: Schon einzelne Wörter in der Herkunftssprache eines Kindes erhöhen Sicherheit, Beteiligung und emotionale Verbundenheit.

3. Translanguaging fördert Spracherwerb ganzheitlich: Der flexible Wechsel zwischen Sprachen aktiviert das gesamte sprachliche Repertoire.

4. Mehrsprachigkeit wirkt inklusiv: Die Anerkennung aller Sprachen stärkt Selbstbewusstsein und Mitgestaltung, sowohl bei Kindern als auch in der Team- und Elternarbeit.

5. Pädagogische Professionalität wächst mit bewusster Mehrsprachigkeit: Fachkräfte können Lernanlässe differenzierter gestalten und individuelle Sprachwege besser begleiten.

Praxisideen zum Mitnehmen

Beim Markt der Möglichkeiten präsentierten Fröbel-Einrichtungen aus NRW vielfältige Beispiele dafür, wie Mehrsprachigkeit im Alltag lebendig werden kann durch: bilinguale Materialien und Impulse, translanguaging-orientierte Gesprächsanlässe (Beispiel "Lesespaziergang"), sprachsensibel gestaltete Räume sowie Kooperationen mit Eltern und Grundschulen.

Viele dieser Ideen waren auch Thema im Abschluss-Talk von Fröbel-Expertinnen der Bereiche Sprache, Personalentwicklung und Kita-Praxis, die gemeinsam mit Renata Zanin Scaratti von der Fakultät für Bildungswissenschaften der Universität Brixen mit Mythen und Sorgen rund um Mehrsprachigkeit aufräumten.

Fazit: Mehrsprachigkeit ist keine Zusatzaufgabe, sondern eine pädagogische Ressource, die Kinder stärkt – sprachlich, sozial und emotional. Die Verbindung aus Haltung, Forschung und Praxis zeigte, wie Teams Mehrsprachigkeit im Alltag bewusst leben und gemeinsam mit Familien voranbringen können.