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Strukturwandel gestalten
Die Lausitz befindet sich im Strukturwandel. Das wirkt mitten in die Gesellschaft hinein. Besonders in bewegten Zeiten bieten Kitas einen Anker für Familien und einen sicheren Ort für Zusammenhalt. Im Interview berichtet Danilo Schubert, Fröbel-Geschäftsleiter in der Lausitz, wie wir auf den Strukturwandel reagieren und die Zukunft mit den Kommunen gestalten.
Gelebte Willkommenskultur und Anpacken, wo es gebraucht wird, gehen in Südbrandenburg oft Hand in Hand. Wie sieht das konkret aus?
Die Lausitz ist seit weit über 100 Jahren eine Industrieregion. Und diese Identität spürt man stark bei den Menschen. Der Kohlebergbau und alle nachgeordneten Industrien befinden sich jedoch mitten im Strukturwandel. Neue, moderne Arbeitsplätze entstehen und ziehen junge Menschen an, die eine Familie gründen möchten. Eine gute frühkindliche Bildung wird damit zu einem wichtigen Standortfaktor für die wirtschaftliche Entwicklung der Region.
Die Städte Cottbus und Senftenberg haben dies erkannt und tun, was ihnen möglich ist. Oft passen der Wunsch und die Haushaltslage nicht zusammen, aber gemeinsam erreichen wir eine Menge. Besonders am Herzen liegt mir sowohl das große Engagement der Stadt als auch unserer Einrichtungen in Senftenberg, als es darum ging, geflüchteten Kindern aus der Ukraine schnell, kompetent und herzlich einen sicheren Ort zu bieten. Unkompliziert und pragmatisch haben wir beim Landkreis Geld für Integrationshelfer beantragt und erhalten. Wir haben das Landesprogramm „Integrationsjoker“ genutzt und aufgestockt und Personen für die Sprach- und Kulturvermittlung finanziert und eingestellt. Gerade unsere Einrichtungen Seesternchen, Zwergenhaus am See und Musikus in Senftenberg haben viel geleistet. Und die Familien geben es zurück. Ein schönes Beispiel ist das jährliche Harkefest im Seesternchen, bei dem Familien und Personen aus dem Stadtteil unser Außengelände und die nähere Umgebung fit für die kalte Jahreszeit machen. Gerade hier waren es die Familien aus der Ukraine und aus Syrien, die sofort zur Stelle waren.
Vor welchen Herausforderungen steht Fröbel in der Lausitz aktuell und wie begegnen Sie diesen Aufgaben?
Im Gegensatz zu Regionen in NRW oder Bayern sinken die Kinderzahlen in Brandenburg rapide. Ein Grund dafür ist der Geburtenknick Anfang der 90er Jahre, ein anderer die demografische Entwicklung. Darin liegt aber auch eine riesige Chance: Ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand könnte der Personalschlüssel in allen Krippen, Kitas und Horten signifikant verbessert werden. Ich hoffe sehr, dass die Landesregierung diese historische Gelegenheit nutzt.
Wie gelingt es Fröbel in Cottbus, alle Kinder und ihre Familien gut im Blick zu behalten?
In den meisten Städten führt die städtebauliche Struktur zu einer Segregation und Konzentration von armutsbetroffenen Menschen. Auch in Cottbus ist das der Fall, weshalb ich durch mein Engagement im Jugendhilfeausschuss und die wertvolle Zusammenarbeit mit den Stadtverordneten ein sozialraumbezogenes Sonderprojekt auf den Weg gebracht habe. Im Kern geht es um die finanzielle Unterstützung von Kindertageseinrichtungen mit einem hohen Anteil ökonomisch benachteiligter Kinder. In sogenannten Sozialraumrunden haben wir gemeinsam mit dem Unterausschuss Kita und dem Kämmerer nach Lösungen gesucht – und gefunden. Acht Einrichtungen in Cottbus profitieren davon, Fröbel beispielsweise durch zusätzliche Sprachfachkräfte. Das Projekt gelingt auch deshalb, weil wir große Freiheiten haben und die Mittel effektiv einsetzen können. Für unseren Fröbel-Integrationskindergarten Regenbogen ist das ein Riesengewinn.
Welche Vorteile bietet die Zusammenarbeit mit Partnern in der Region?
Fröbel zeichnet sich dadurch aus, dort mitzusprechen, wo Dinge bewegt werden. In der Kommune ist das oft der Jugendhilfeausschuss – seit dieser Wahlperiode bin ich dort als ordentliches Mitglied aktiv. Zudem ist Fröbel eine wichtige Stimme im Unterausschuss Kita. 2024 haben wir allerdings auch bewusst den Kontakt zu den neuen Stadtverordneten gesucht – vor der Wahl und natürlich auch danach.
Anlässlich des Brandenburger Aktionstages „Kita-Kollaps“ sind wir konstruktiv auf die Kandidierenden von SPD, CDU, Grünen und Linkspartei zugegangen und haben sie zu einem Tagespraktikum eingeladen. Das hat erstaunlich gut funktioniert und von allen vier Parteien absolvierten die Politikerinnen und Politiker ihr Praktikum. Alte Kontakte haben wir gefestigt und neue Bande geknüpft. Auch die gute Arbeit im Trägerbündnis „Runder Tisch Senftenberger Kita-Landschaft“ trägt weiter und ich bin mir sicher, dass unsere Kinder und Familien, aber auch unsere Fachkräfte davon weiterhin stark profitieren werden.
Welche langfristigen Visionen haben Sie für die Weiterentwicklung von Fröbel in der Lausitz?
Gemeinsam mit dem Land und den Kommunen müssen wir das Kita-System stabilisieren. Ein Abbau der Bildungsinfrastruktur wie in den 90er Jahren muss unbedingt verhindert werden. Mit unseren großartigen Kolleginnen und Kollegen in den Einrichtungen leben wir Tag für Tag eine Pädagogik, die von Neugierde, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung geprägt ist. Das spüren die Kinder und ihre Eltern. Denn bei uns sind alle Kinder willkommen. Gleichzeitig flankieren unsere Hilfen zur Erziehung und weitere Beratungsstrukturen unsere Arbeit in den Einrichtungen. Diesen Weg gehen wir weiter – ich freue mich darauf!
Vielen Dank für das Gespräch!
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