14. Plenum Frühpädagogik in Berlin

Das Vorschul-Experiment: Sind Kitas und Schulen gute Bildungspartner?

Das 14. Plenum Frühpädagogik brachte Fachleute aus Praxis, Wissenschaft und Politik im Allianz-Forum Berlin zusammen, um zentrale Fragen des Übergangs von der Kita in die Schule zu diskutieren. Unter dem Leitmotiv „Das Vorschulexperiment“ beleuchtete die Veranstaltung, wie Bildungsorte enger verzahnt werden können, um allen Kindern einen verlässlich guten und fairen Bildungsweg zu ermöglichen.

Rund 300 Teilnehmende aus Praxis, Verbänden, Wissenschaft, Forschung, Politik und Verwaltung folgten der Einladung. Der Tag begann mit einer bundespolitischen Einordnung durch Dr. Stefan Luther, Leiter der Abteilung Frühe und Schulische Bildung im Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Es folgte ein Erfahrungsbericht aus Hamburg von Ties Rabe, Lehrer und ehemaliger Senator für Schule und Berufsbildung.

Verhältnis von Kita und Schule im Fokus

Im anschließenden Panel wurde diskutiert, wie viel Schule die Kita benötigt und wie viel Kita die Schule braucht. Vertreterinnen und Vertreter aus Verbänden, Ministerien und Fröbel beleuchteten dabei die Möglichkeiten, wie beide Systeme besser zusammenwirken und wie entlang der Bildungskette tragfähige Schnittstellen geschaffen werden können.

Mit ihrem Beitrag „Bildungswege statt Bildungslücken“ setzten Prof. Dr. Yvonne Anders und Prof. Dr. Peter Cloos wissenschaftliche Akzente. Prof. Dr. Cloos nutzte die Bühne für einen Appell an die Politik, den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärker in den Mittelpunkt zu rücken, statt Trennlinien zwischen „ihr und wir“ zu ziehen.

Verantwortung, Übergänge und Basiskompetenzen

Wer trägt die Verantwortung dafür, dass Kinder am Unterricht teilhaben können – die Kita oder die Schule? Dieser Frage widmeten sich Dr. Tobias Ernst, Vorstand der Stiftung Kinder forschen, und Andreas Knoke-Wentorf, Experte für frühe Bildung und Kita bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Ernst verwies auf eine zunehmend diversere Gesellschaft und die damit verbundenen Bedarfe.

Bildungsungerechtigkeit gibt es ja schon vor der Geburt. (…) Je früher und je mehr wir investieren, desto besser für die Kinder und letztendlich für die Volkswirtschaft.

- Dr. Tobias Ernst, Vorstand Stiftung Kinder forschen

Perspektiven aus Praxis, Elternschaft und Politik

Knoke-Wentorf sieht die Hauptverantwortung eindeutig bei der Schule: „Schule und Unterricht müssen so gestaltet sein, dass Bildung für alle Kinder funktioniert. Um Zugangsprobleme zu lösen, gilt es, strukturelle Hürden abzubauen.“

Prof. Dr. Timm Albers richtete den Blick anschließend auf die Zusammenarbeit zwischen Kitas, Familien und Schulen und untersuchte das Zusammenspiel von Transitionsprozessen in der frühen Bildungsbiografie. Er stellte die Frage, wer eigentlich „Schulfähigkeit“ definiere, und verwies auf die Vielzahl bestehender Verfahren und „Tests“, die aus seiner Sicht eine erhebliche Ressourcenverschwendung darstellen. Stattdessen brauche es gut geschulte Fachkräfte und vor allem eine hohe Prozessqualität.

Einen Einblick in die Fröbel-interne Sprachstandserhebung mit dem Beobachtungsinstrument BaSiK gab Annegret Kieschnick, Referentin für Pädagogik und Qualitätsentwicklung. Fröbel-Kitas erheben mit BaSiK jährlich ab dem zweiten Geburtstag den Sprachstand aller Kinder in der deutschen Sprache. Zur Förderung der Mehrsprachigkeit bieten die Einrichtungen vielfältige alltagsintegrierte Angebote, etwa Vorleseaktionen in allen Sprachen.

Im anschließenden Talk zur Vermittlung von Basiskompetenzen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Trägerorganisationen und Verbänden darüber, wie frühe Sprach- und MINT-Bildung gelingen kann.

V. l.n.r.: Moderator Jan-Martin Wiarda, Prof. Dr. Nataliya Soultanian (Forum Frühkindliche Bildung Baden-Württemberg), Niels Espenhorst (Paritätischer Wohlfahrtsverband), Dr. Tanja Rettinger (Stiftung Lesen), Annegret Kieschnick (Fröbel) und Dr. Tobias Ernst (Stiftung Kinder forschen)

Der Nachmittag begann mit dem persönlichen Erfahrungsimpuls „Mein Kind zwischen zwei Welten“ von Marco Fechner. Der Elternvertreter, Bildungsblogger und Podcast-Host fragt sich unter anderem, warum ausschließlich, während der Kitazeit von „Kindern“ gesprochen werde, während sie mit Schuleintritt zu „Schülerinnen und Schülern“ würden.

Es folgten fünf praxisorientierte parallele Sessions – von informatischer Bildung über MINT und Sprachförderung bis hin zu gelingenden Kooperationen zwischen Kitas, Schulen und Ganztagsangeboten. Ergänzt wurde das Programm durch eine Good-Practice-Show mit Beispielen aus Baden-Württemberg, dem Saarland und Berlin.

Im abschließenden Talk kam die Berliner Bildungspolitik zu Wort. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Zusammenführung von Kita und Schule in einem gemeinsamen politischen Ressort einen Lösungsansatz für strukturelle Schwächen der Bildungskette bieten könne. Auf dem Podium diskutierten Nicola Böcker-Giannini, Landesvorsitzende der SPD Berlin, und Falko Liecke, Staatssekretär für Jugend und Familie in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, gemeinsam mit Dr. Tobias Ernst, Vorstand Stiftung Kinder forschen, Stefan Spieker, Vorstandsvorsitzender Fröbel e.V., sowie Sabine Uehlein, Geschäftsführerin Programme der Stiftung Lesen.

Wir danken allen Referentinnen und Referenten sowie allen Gästen für diese gelungene Veranstaltung - und freuen uns schon auf das Plenum Frühpädagogik zum Thema: Sprachbildung. 

Alle Bilder: © Fröbel e.V./Bettina Straub